Pater Eckart in Rio. Quelle: ZDF
Pater Eckart in Rio de Janeiro

Menschen & Projekte

Einsatz in Rio

Die Arbeit von Pater Eckardt in brasilianischen Favelas

von Carsten Thurau

Das Armenviertel Borel ist eine von etwa 1.000 sogenannten Favelas in Rio de Janeiro und immer wieder wegen blutiger Bandenkriege in den Schlagzeilen. In dem Viertel leben mehr als 20.000 Menschen. Ihr Alltag ist geprägt von Gewalt und Armut. Der Staat hilft kaum oder gar nicht.

 
 
 
Favelas in Rio. Quelle: ZDF
ZDF
Favelas in Rio

Ivan de Oliviera Rodrigues lebt schon immer in Borel. Er wurde hier geboren. Heute ist er 55 und die vielen Treppen am Hang machen ihm zu schaffen. Denn Ivan ist herzkrank und seine Knochen sind kaputt. Das Geld reicht gerade so zum Überleben.

Hinzu kommen die teuren Medikamente, die der frühere Hilfsarbeiter einnehmen muss. "Es ist alles sehr kompliziert. Der Arzt meinte bereits, ich solle woanders wohnen, aber meine Lebensbedingungen lassen es nicht zu. Und dann diese Wege hier: Ich muss immer rauf und runter, eigentlich dürfte ich das alles gar nicht machen," erzählt Ivan.

Ivan de Oliviera Rodrigues. Quelle: ZDF
ZDF
Ivan wird jede Woche untersucht.

Das Krankenhaus der Franziskaner

Nur einige hundert Meter Luftlinie entfernt von Borel liegt das Krankenhaus der Franziskaner. Gut ein Drittel der Patienten kommt aus den umliegenden Favelas. Hier werden sie kostenlos behandelt.

Auch Ivan wird jede Woche von einem Spezialisten untersucht. Keine Selbstverständlichkeit, wie er meint: "Als ich mich zuerst in einem öffentlichen Krankenhaus nach einer Behandlung umschaute, hieß es, dass ich erst in acht Monaten einen Termin bekomme. Wenn es darauf ankäme, wäre ich womöglich gar nicht mehr am Leben."

Pater Eckart. Quelle: ZDF
ZDF
Pater Eckart ist auf Unterstützung angewiesen.

Pater Eckart rettete die bankrotte Klinik

Sach- und Geldspenden sichern das Überleben der Klinik. Ob medizinische Geräte oder Betten aus Deutschland, hier wird alles gebraucht. Es grenzt an ein Wunder, dass es das Krankenhaus überhaupt noch gibt. Denn eigentlich war es 1987 bankrott und Pater Eckart kam als Konkursverwalter nach Rio.

"Als ich die Gebäude sah - sie sind 1619 gegründet und das sind 400 Jahre Geschichte, so lange existiert das schon - da habe ich mir gesagt: Mein Gott, da muss nochmal jemand eine Kraftanstrengung machen, um das zu retten," erinnert sich Pater Eckart. Der deutsche Missionar hat die älteste Klinik der Stadt wieder zu einer der besten Adressen gemacht: mit 160 Ärzten, einer angesehenen Herzchirurgie, einer großen Ambulanz und 500 Betten.

Pater Eckart mit seinem Freundeskreis. Quelle: ZDF
ZDF
Pater Eckart mit einem Freundeskreis

Sozialwerk der Franziskaner

In Deutschland wirbt Pater Eckart für seine Projekte. Regelmäßig trifft er sich mit Unterstützern: Zwei Freundeskreise in Köln und im fränkischen Lohr helfen dem Franziskaner, die Rotarier sind mit dabei, Stiftungen und Firmen sowie viele Kleinspender. "Ich bin manchmal der König der Bettler. Für andere Leute kann man das mitunter viel leichter tun als für sich selbst. Für sich selbst muss man arbeiten, aber für andere kann man Hilfe erbeten," meint er.

Ein so großes Krankenhaus zu unterhalten ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Deshalb koordiniert die Würzburgerin Conny Warsitz die Sozialprojekte der Franziskaner: "Es ist ein Spannungsfeld zwischen Ein- und Ausgaben," erklärt sie. "Investitionen von uns aus können wir nicht finanzieren. Da sind wir immer auf Spenden aus Deutschland angewiesen." Und das Krankenhaus ist nicht das einzige Projekt der Franziskaner.

Pater Eckart im Kindergarten. Quelle: ZDF
ZDF
Pater Eckart im Kindergarten des Sozialwerks

Kinder ohne Lebenschancen

Hilfe haben in Brasilien auch häufig die Kinder nötig. Sie kommen oft aus sehr schwierigen sozialen Verhältnissen. In einem Heim in Tanguá vor den Toren von Rio de Janeiro leben derzeit 30 Minderjährige. Pater Eckart hat dieses Projekt übernommen mit Unterstützung des Münchener Vereins "AIDA". Die Kinder werden dort betreut, können zur Schule gehen, und dürfen unbesorgt spielen. Sie bekommen eine Chance auf ein Leben jenseits der Armut.

Die 15-jährige Juliana Conceição Carvalho zum Beispiel lebt seit acht Jahren in Tanguá. Ihre frühere Lebensgeschichte ähnelt der vieler anderer Kinder in dem Heim. Wunden und Traumata, die nur langsam heilen: "Wenn mein Vater Geld hatte, betrank er sich völlig, kam nach Hause und schlug meine Mutter. Außerdem nahm er Drogen. Wir wurden erst erlöst und kamen hierher, als ein Nachbar beim Richter Anzeige erstattete, weil mein Vater mich und meine Schwester immer wieder sexuell missbraucht hat," erzählt Juliana.

Den Menschen eine Hoffnung geben; in Bildung, Erziehung und Gesundheit investieren: Das sind die Ziele von Pater Eckart und der Drittordensgemeinschaft der Franziskaner. Ohne diese Arbeit ginge es vielen Menschen in Brasilien sehr viel schlechter.