Während ein baldiger Frieden im Nahen Osten immer aussichtsloser scheint, setzt eine kleine palästinensische Gemeinde ein Zeichen der Hoffnung: Dort trafen sich Juden, Christen und Moslems über mehrere Tage zu einem gemeinsamen Friedensmarsch.
Fast eine Woche lang, vom 6. bis zum 10. Juli, kamen rund 200 Friedenaktivisten aus der ganzen Welt in dem kleinen Ort Beit Jalla zusammen. Darunter auch viele engagierte Christen aus Deutschland. Gemeinsam mit Muslimen und Juden demonstrierten sie friedlich gegen die Mauer, die Israel und die Westbank trennt.

Bei Beit Jalla trennt diese unüberwindbare Mauer Palästinensergebiete von Israel, es sind ein paar Rollen Stacheldraht gesichert mit Hightech-Kameras und Bewegungsmeldern. Heute posieren zusätzlich Soldaten in der Mittagshitze. Auf beiden Seiten des Zauns singen die Demonstranten "Hewenu Schalom alechem" - "Wir wollen Frieden für alle". Noch klingt der Gesang zurückhaltend, es ist erst der Auftakt zur Friedenswoche der Abrahamskinder.
Initiator der Aktion ist der Palästinenser Jadallah Shihadah, der Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Kirche in Beit Jalla ist. Seit nunmehr 22 Jahren kämpft er, der in Deutschland studierte, für Frieden im Nahen Osten. Im Oktober vergangenen Jahres war es ihm schon einmal gelungen, zu einem Friedensmarsch aufzurufen. Es kamen weit mehr Teilnehmer als zunächst gedacht. Das hat ihm Mut gemacht, die Aktion weiterzuführen. "Wir wollen die Mauer nicht akzeptieren", sagt Jadalla Shihadeh.

Am Donnerstag, 9. Juli, findet die Abschlusskundgebung statt. Die Abrahamskinder bekommen Verstärkung. Neben dem Bürgermeister von Jena Albrecht Schröter (SPD) und Pfarrer Jadallah Shihadah sind auch der oberste Richter der Palestinenser und der evangelische Bischof Munib Younan zu der Veranstaltung gekommen. Viele Menschen schließen sich dem Protest an und ziehen mit wehenden Fahnen und Trommelwirbel durch die Straßen von Beit Jalla.
Die vorwiegend von Christen bewohnte Kleinstadt Beit Jalla liegt nur wenige Kilometer von Bethlehem entfernt. Die Geburtsstadt Jesu wird heute durch eine rund zehn Meter hohe Mauer von Jerusalem abgetrennt. Seit 2002 wird die Sperranlage quer durch das Heilige Land gebaut. Die israelische Regierung sieht dies als "lebenswichtig" an, um Selbstmordattentate zu verhindern. Doch für die Palästinenser bedeutet die Sperranlage nicht nur eine erhebliche Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit, sondern auch das Aus für einen eigenen lebensfähigen Staat.
Trotz und grade wegen der ernsten Lage stehen in der Friedenswoche in Beit Jalla Spaß und Spiel auf dem Programm. Bei einem Fußballspiel im 2007 von Portugal gesponserten Stadion der Stadt traten die Mannschaften in prominenter Besetzung an. Bürgermeister Dr. Albrecht Schröter spielte in der freundschaftlichen Begegnung gegen den Bürgermeister von Beit Jalla Raji Zeidan. Schröters Mannschaft gewinnt drei zu eins. "Aber nur weil Gäste bei uns immer gewinnen", sagt Zeidan.
Im Zentrum der Aktionen steht das Gasthaus "Abrahams Herberge", das auch von Pfarrer Jadallah Shihadeh betrieben wird. Es ist zum einen Internat für 50 Kinder ist, Hotel und Sozialstation. Zum anderen steht "Abrahams Herberge" für das Friedenprojekt, denn Abraham sei Juden, Christen und Muslime gleichermaßen heilig. So treffen sich hier die Mitstreiter aus allen Konfessionen, um gemeinsame Friedenaktionen zu planen. "Manchmal empfinde ich, was wir machen, alles als reine Sisyphos-Arbeit", sagt Jude Isra Nao und fügt hinzu, "aber wir hören nicht auf, denn wir sind nämlich Optimisten". Sein moslemischer Kollege Imad doch ist sich sicher, "dass wir mit dem friedlichen Widerstand mehr erreichen als mit Gewalt."