Enthüllung des Trabi nT auf der IAA. Quelle: dpa
Enthüllung des "New-Trabi" auf der IAA 2009 in Frankfurt

Schwerpunkt

Der Trabi kommt wieder

Die mobile Ost-Legende erlebt eine Neuauflage

von Iris Pollatschek / Jörg Telemann

Vor 20 Jahren knatterten sie als sichtbares Zeichen der Maueröffnung durch die Lande: die Trabis. Jetzt will ein kleines Konsortium die mobile Ost-Legende wieder auf die Straße bringen - als Elektroauto. Auf der diesjährigen IAA in Frankfurt war der Prototyp der Hingucker.

 
 
 

Als die Grenze fiel, knatterten schier endlose Trabi-Kolonnen gen Westen. Jeder wollte die neue Freiheit schnuppern. Das veraltete Ost-Gefährt brachte Millionen DDR-Bürger in die ersehnte Freiheit und tuckerte gleichzeitig auf sein eigenes Ende zu: 1991 rollte in Zwickau der letzte Neuwagen vom Band. Es war das Ende einer Legende.

Trabis vor den Sachsenring Automobilwerken in Zwickau. Quelle: dpa
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Versandfertige Trabis vor den Sachsenring Automobilwerken in Zwickau - Im April 1991 wurde die Produktion eingestellt.

Der Schweriner Nils Poschwatta will die Legende nun wieder beleben. Seit zwei Jahren arbeitet der Automobil-Designer an einem Trabant-Nachfolger mit. Für das Projekt "new Trabi" gab er sogar seinen Designer-Job bei VW auf: "An so einer Ikone zu arbeiten, das ist schon ne riesige Nummer. Den Trabi kennt jeder. Da schauen ja viele Menschen hin und die erwarten alle was," erklärt er.

Mit dem Trabi groß geworden

Nils Poschwatta ist mit der Rennpappe groß geworden. Seine Eltern waren stolz auf ihren Trabant 601 Universal. Und Nils Poschwatta erinnert sich noch gut an Urlaubsfahrten mit den Eltern im überladenen Trabi und daran, wie er als Jugendlicher damit Autofahren lernte. Dabei sprang der Trabi-Funke auf ihn über.

Trabi-Parade im Rahmen des 5. internationalen Trabantfahrertreffens 1998.
Grosse Trabi-Parade im Rahmen des 5. internationalen Trabantfahrertreffens 1998 in Zwickau

Der Ossi Nils Poschwatta hat dem Prototypen das Design verpasst. Die Idee für den Trabi-Nachfolger stammt aber vom Wessi Klaus Schindler. Der Chef des bayerischen Miniaturherstellers Herpa ist fest überzeugt vom Trabi-Comeback. Bei Herpa im fränkischen Dietenhofen wird der Trabi seit 1990 gebaut, als Plastik-Modell im Maßstab 1:87. Klaus Schindler erlebte mit dem Trabi-Winzling ein kleines Wunder. Seit 2003 stiegen die Verkaufszahlen sprunghaft an. Das Modell des Trabi läuft seitdem besser als der Käfer.

Vom Stinker zum Öko-Mobil

Die starke Nachfrage brachte Klaus Schindler auf die kühne Idee, den Kleinen wieder groß rauszubringen: "Der Trabi muss auf die Straße zurück, als praktisches Auto mit Trabi-Gen und ökologischem Antrieb", sagt er. Die Einfachheit ist der Schlüssel zum Charme des Trabi. In Dietenhofen weiß man den Wert der Ost-Marke zu schätzen. Deshalb knüpft der "Trabi nT" bewusst an die Schlichtheit seines Vorläufers an: Ein Auto mit Charakter soll entstehen, das mit Elektro-Antrieb sogar ein echter Saubermann wird.

Trabi nT auf der IAA 2009. Quelle: dpa
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Prototyp des Trabi nT mit ökologischem Antrieb

Den Prototypen haben Schindler und ein Firmenkonsortium aus Ost und West ganz ohne Budget auf die Räder gestellt. Die Zwickauer Firma Individual Karosseriebau Indikar pflanzt ihm demnächst den Elektro-Antrieb ein. Dann soll der "Trabi nT" erstmals aus eigener Kraft rollen. Klaus Schindler wird einer der ersten sein, die das Fahrgefühl erleben dürfen. "Dass der "Trabi nT" nicht mehr lärmt und stinkt, wird uns die Trabant-Gemeinde gewiss verzeihen", hofft Klaus Schindler. "Falls nicht, können wir ein entsprechendes Geräusch- und Geruchsmodul als Extra einbauen." Für die Serienproduktion müssten allerdings 30 Millionen Euro her. Gesucht wird noch ein Investor.

Auf der IAA in Frankfurt wurde der "Trabi nT" jetzt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Publikum und Weltpresse zeigten sich begeistert. Eine Umfrage unter 7.000 Besuchern ergab: 98 Prozent wünschen sich den neuen Trabi.

Infobox

"Rennpappe": Der Trabant wurde natürlich nicht aus Pappe oder Papier gebaut, aber die Zusammensetzung des Materials erinnerte doch eher an Pappe als an Blech. Bleche für die Herstellung einer Karosserie nach üblichen Standards waren in Deutschlands Osten teuer.

Das Problem sollte mit dem Einsatz von Duroplast gelöst werden, einer Kombination aus Baumwollfasern und Kunststoff. Auf eine Faserlage kamen Phenolharzteilchen, darauf wieder eine Lage Fasern und so weiter. Am Ende wurde das Ganze mit Hitze in Form gepresst.