Das Vereinswesen boomt. Menschen widmen sich der Pflege des Brauchtums und der Geselligkeit in Vereinen, sie gründen neue Initiativen zu sozialen oder ökologischen Fragen, die dann zu überregionalen Netzwerken und NGOs werden. Die Vielfalt der Vereine zeigt sich auch in den vielen lokalen Sport-, Kultur- und Hobbyvereinen.

Leere öffentliche Kassen und das Ende des Wohlfahrtsstaates führen dazu, dass die Bürger, soziale und kulturelle Angebote selbst organisieren. Die Menschen sind deutlich aktiver und auch selbstbewusster geworden. Es sind nicht mehr die Großorganisationen wie etwa Gewerkschaften, Parteien oder Kirchen, denen sie sich anvertrauen und die als Mittel zur Teilhabe und Interessenvertetung dienen.
Vereine sind häufig zunächst eng verbunden mit der lokalen und kommunalen Ebene und dort verankert. Die Ziele sind ideeller Art. Historisch ist es eine relativ junge Form, die meisten Vereine wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Beginn der bürgerlichen, modernen Gesellschaft gegründet. Mit dem Engagement in einem Verein kann der Bürger Ziele erreichen, die seine Möglichkeiten als einzelner oder als einzelne überschreiten. Vereine gelten als Rückgrat der Gesellschaft und als Motor der Demokratie.

Von der Selbsthilfegruppe über dem Hobby-, Sport - oder Kulturverein bis hin zum Netzwerk, Verband und Nichtregierungsorganisation, alle lassen sich in Deutschland unter dem Stichwort und der Rechtsform Verein zusammenfassen. Der Zweck liegt in der Verfolgung nichtwirtschaftlicher Ziele, das können wissenschaftliche, wohltätige, sportliche, gesellige, kirchliche oder politische Zwecke sein. Ist diese Voraussetzung erfüllt, gelten Vereine als gemeinnützig und werden im Steuerrecht bevorzugt behandelt. Neben ehrenamtlichen Engagierten gibt es je nach Größe des Vereines auch hauptamtliche Mitarbeiter, Geschäftsführer oder Bürokräfte zur Abwicklung der organisatorischen Belange.

In der 100.000 Einwohner Stadt Iserlohn gibt es 384 Vereine. Die Stadt Iserlohn fördert das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger durch die Aktion: " Meine Stadt. Darum geb ich was.(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) " Vereine, die für Anschaffungen finanzielle Unterstützung suchen, können sich in eine Broschüre aufnehmen lassen. Spendenwillige erfahren so von den Projekten vor Ort. Über 300.000 Euro sind seit Beginn vor drei Jahren zusammengekommen.
Auch die "Kinderlobby e.V." findet man in der städtischen Broschüre. Der Verein bietet heilpädagogische Förderung für Kindern mit Entwicklungsdefiziten. Zusätzlich können Eltern mit schmalem Budget aber auch Schulmaterial und Spielzeug im kleinen Laden günstig erwerben. Ehrenamtliche wie der Gründer Peter Bochynek, früher selbst Lehrer, opfern viel Zeit, um den Betrieb am Laufen zu halten. Eigentlich reagierten sie damit auf einen Mangel, denn die Unterstützung von Kindern sei Aufgabe des Landes, finden sie.
Die Arbeit in gemeinnützigen Organisationen setzt neben hohem persönlichem Engagement und fachlicher Kompetenz auch Organisationsfähigkeit und Managementfähigkeiten voraus. Ehrenamtliche Mitglieder müssen motiviert und geführt werden. Man muss Kenntnisse in Betriebswirtschaft und vor allem Steuerrecht haben (nicht zuletzt deshalb sind so viele Rechtsanwälte im Vorstand von Vereinen). Mit Marketingstrategien soll man möglichst eine breite Aufmerksamkeit erreichen, von einer guten Öffentlichkeitsarbeit ganz zu schweigen.
Hier setzt das " Zentrum für Nonprofit-Management(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) " (npm) und der Studiengang zur Ausbildung von Führungskräften in diesem gemeinnützigen Bereich an. Annette Zimmer, Politikwissenschaftlerin an der Uni Münster, hat diesen Studiengang zur Professionalisierung der Arbeit der Vereine und Nicht-Regierungsorganisationen entwickelt. Die Teilnehmer lernen, das vorhandene Engagement für gute Zwecke zu nutzen und die Motivation der Aktiven zu steigern. Annette Zimmer betont den Stellenwert, den diese Organisationen inklusive Vereine haben, Mit über 2,5 Millionen Beschäftigten und mehr als 20 Millionen ehrenamtlich Engagierten kommt diesem Bereich eine hohe, auch wirtschaftliche Bedeutung zu.
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