Wer vom "Jakobsweg" hört, denkt an die Pilgerroute durch Spanien. Doch was oft vergessen wird: Weite Teile des Weges führen auch durch Deutschland. Ob in Sachsen oder Rheinland-Pfalz, fast überall lässt sich die wegweisende Jakobsmuschel finden.
Anders als auf dem Jakobsweg in Südwesteuropa hat der Heilige Jakobus nie seinen Fuß auf die Jakobswege in Deutschland gesetzt. Sie wurden erst in der Neuzeit angelegt. Doch bereits im Mittelalter haben sich deutsche Pilger auf den Weg nach Santiago de Compostela begeben.
Diese Routen sollen jetzt wieder belebt werden. So wurde in Franken und Schwaben ein Pilgerweg entdeckt, der in spätmittelalterlichen Schriften belegt ist und nun von einer der vielen Jakobsweg-Gesellschaften neu errichtet wurde. Andere Wege werden über mittelalterlichen Handelsstraßen rekonstruiert, die früher als Pilgerwege dienten.

Die nationalen Jakobswege schließen nach Möglichkeit an die bereits bekannten internationalen Routen an, die den Weg nach Santiago de Compostela weisen. So führt ein bereits beschilderter Weg von Hechingen über Schaffhausen durch das Sundgau zum französischen Jakobsweg. In Mitteldeutschland gibt es Verbindungen von Köln über Trier nach Metz. Die neuen Wegstrecken werden von den lokalen deutschen Jakobsgesellschaften betreut und angelegt.
Sie achten darauf, dass die Wege sowohl historisch belegbar als auch landschaftlich schön und gut gangbar sind. Sehenswürdigkeiten und kultur- oder religionsgeschichtlich interessante Orte wie Kirchen, Klöster, Hospitäler, Wallfahrtsorte werden in diese Wege eingebunden. Aber auch geistliche Zentren, um den Pilgern auch spirituelle Begleitung zu bieten, sind wichtig. Dazu gehören etwa Plätze, die einen Bezug zum Heiligen Jakobus haben. Und natürlich sollten die einzelnen Wegstrecken den Pilger von Herberge zu Herberge führen.

Wer also gerne einmal erste Erfahrungen beim Pilgern sammeln möchte, muss dafür nicht lange Reisen in Kauf nehmen. In Deutschland gibt es genügend Möglichkeiten dazu - sowohl im Norden als auch im Süden. So führt ein Pilgerweg von Usedom über Hamburg und ein Weg nach Osnabrück und Münster. Im Süden von Passau über München, Augsburg, Ulm nach Konstanz oder von Coburg über Bamberg nach Würzburg. Die Auswahl ist groß.
Auch in Mitteldeutschland wurden bereits mehrere Wege angelegt. So führt eine Wegstrecke von Dresden über Chemnitz und Zwickau nach Nürnberg. Es gibt auch einen ökumenischen Pilgerweg von Görlitz über Bautzen, Erfurt nach Eisenach. Manche der neuangelegten Wege führen sogar ins näher gelegene Ausland wie im Rheinland von Köln nach Belgien oder in die Niederlande oder von Speyer in Richtung Frankreich. Wer möchte, kann also gleich schon seinen Rucksack packen und sich auf den nächsten Jakobsweg vor seiner Türe begeben.
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