Seit zwei Jahren gibt es das Modellprojekt "Uniaktiv" an der Universität Duisburg-Essen. Es verbindet Eigennutz mit bürgerschaftlichem Engagement. 650 Studenten wurden bislang in ein Ehrenamt vermittelt. Ihre Arbeit können sie sich mit den sogenannten Credit Points vergüten lassen: Punkte, die jeder fürs Examen sammeln muss.
Mathias Köbnick ist 24, studiert Deutsch und Geschichte fürs Lehramt. Normalerweise ist er damit schon gut beschäftigt. Hinzu kommt noch sein Nebenjob, er ist vor kurzem in eine eigene Wohnung gezogen, Miete und Lebenshaltung müssen finanziert werden. "Ich kann keine großen Sprünge machen", sagt er.
Doch statt sich um einen weiteren lukrativen Job zu bemühen, investiert er seine Freizeit für andere. Dreimal wöchentlich trainiert Mathias die Handballjugend des SC Phönix, ein Verein in Essen, der allein dadurch existieren kann, dass die Trainer ehrenamtlich arbeiten. "Die Kinder brauchen eine Anleitung", sagt Mathias, der selbst in der Kreisliga Handball spielt. "Mir macht das Training mit den Kindern Spaß, und dass ich dadurch noch etwas Gutes tue ist umso schöner. Ich habe sowieso eine soziale Ader."
Deswegen reicht es Mathias mit dem Handballtraining allein auch noch nicht. Zusätzlich geht er in die Tiegelschule, eine Essener Grundschule mit Ganztagesangebot. Sie steht im sozialen Brennpunkt des Essener Nordens und hat einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund.
Dort hat Mathias Köbnick mit einem Kommilitonen das Elterncafé aufgebaut und unterstützt die Fachkräfte bei der Hausaufgabenhilfe. "Das Schöne ist, dass ich etwas für die Allgemeinheit tun kann", sagt Köbnick. "Außerdem ist die Arbeit mit Grundschülern in Hinsicht auf meinen späteren Job als Lehrer gut für die Praxisnähe, die ich ja sonst an der Uni überhaupt nicht habe."
Das Modellprojekt "Uniaktiv" wurde 2006 ins Leben gerufen. Der 36-jährige Diplom-Pädagoge Jörg Miller ist Leiter der Einrichtung. "Hinter unserer Idee der Ehrenamtsvermittlung steckt der Gedanke, dass Verantwortung ein wichtiges Lernziel für Studierende sein muss. Zukünftige Führungskräfte sollen eben auch mit dem Thema Verantwortungsübernahme konfrontiert werden."
Die ehrenamtliche Arbeit der Studenten wird durch "Uniaktiv" begleitet. Die Finanzierung der zwei Festangestellten sichert die Stiftung Mercator. "Wir sind dankbar für die Unterstützung, ohne die es Uniaktiv gar nicht gäbe", betont Jörg Miller.
"Uniaktiv" bietet Seminare zum Thema Soziales Lernen und Bürgerschaftliches Engagement an. Die Studenten können Abschlussarbeiten über ihre Erfahrungen schreiben. Mitmachen kann jeder, ob Ingenieur oder Jurist. Derzeit wird die ehrenamtliche Arbeit allerdings ausschließlich bei Lehramtsstudiengängen angerechnet. Zertifikate erhalten aber alle Freiwilligen, und die machen sich gut bei Bewerbungsgesprächen.
Freiwillige Arbeit statt Freizeit: Obwohl Mathias Köbnick im vergangenen Semester bereits einen Schein für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten bekommen hat, geht sein Engagement noch weiter. "Meine Arbeit mit dem Kindern hat mir das Rumsitzen im Seminar für ein Semester erspart", sagt der 24-Jährige. "Außerdem macht sie einfach Spaß."
Uniaktiv
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