Bücher sollen nicht in Regalen verstauben. Sie sind auf der Welt, um gelesen zu werden. Beim Bookcrossing kann man Bücher weitergeben an andere und gleichzeitig Jagd machen auf lang gesuchte Bücher.
"Bookcrossing, das ist auch ein Spiel", sagt Poppy. Poppy ist der "Screenname" von Angelika. Die 48-jährige Heidelbergerin ist Bookcrosserin, seit mehreren Jahren lässt sie Bücher frei. Das heißt: Sie legt sie zum Mitnehmen irgendwo hin. "Es ist, als ob man Flaschenpost verschick", lacht sie.
Aber es ist auch wie Ostereier suchen. Je nachdem, was man halt macht. Denn beim Bookcrossing kann man Bücher nicht nur freilassen, man kann sie auch suchen, nein: jagen, wie der Bookcrosser zu sagen pflegt.

Das Prinzip ist einfach: Über eine zentrale Datenbank auf der Website des Projekts wird jedes Buch, das in die Freiheit kommen soll, registriert und erhält eine eigene BCID(BookCrossing-Identitätsnummer). Nachdem man das Buch mit der ID-Nummer gekennzeichnet und ein Label eingeklebt hat, wird es an Freunde oder andere Bookcrosser weitergegeben oder irgendwo in der Öffentlichkeit liegengelassen.
In der Regel wird dieser "Release" in die Datenbank eingetragen, damit andere Bookcrosser gezielt auf die Jagd nach dem Buch gehen können. Wer es findet, der soll einen Journaleintrag machen. So kann der Weg eines Buches von allen vorherigen Besitzern verfolgt werden.

Bookcrossing ist eine weltweite Bewegung. Die Idee ist die kostenlose Weitergabe von Büchern an Bekannte, Freunde, vor allem aber auch unbekannte Personen. Die meisten Bücher werden an Orten ausgelegt, wo sie jeder, der sich dafür interessiert, mitnehmen kann. Im Bahnhofsschließfach, im Wartezimmer beim Arzt, im Bus oder auf einer Parkbank.
Die Idee, "Bücher in die Freiheit zu entlassen", ist sechs Jahre alt und stammt von dem Amerikaner Ron Hornbaker. In den ersten Jahren begeisterten sich nur wenige für diesen "freien Buchclub". Doch die Medien verbreiteten die skurrile Idee. Inzwischen haben weltweit rund 600.000 Mitglieder über 4,0 Millionen Bücher registriert. Freie Bücher, die jeder lesen kann. Auch in Deutschland gibt es eine sehr aktive Bookcrosser-Szene.

"Es gibt Bücher, die sind durch die ganze Welt gewandert", erzählt Poppy. Sie findet das faszinierend. Sie freut sich immer wieder, wenn eines ihrer Bücher gefunden wird. Jeder kann schreiben, wo er das Buch gefunden hat, wie er es bekommen hat und Kommentare zum Inhalt abgeben.
Bookcrossing ist nicht nur eine Methode, um Bücher loszuwerden. Es ist auch eine Möglichkeit, kostenlos Bücher zu bekommen. Auch das gefällt Poppy - mit Bookcrossing kann man seinen Horizont erweitern. Sie hat Bücher in die Finger bekommen, die hätte sie sich nicht gekauft, die hätte sie niemals gelesen. Und sie hat bei den Bookcrossern auch Menschen getroffen, die sie sonst niemals kennengelernt hätte. Die unterschiedlichsten Alters- und Berufsgruppen finden sich hier, ein bunt zusammen gewürfelter Haufen mit einem gemeinsamen Hobby und einer gemeinsamen Überzeugung: Bücher sollen nicht in Regalen verstauben. Sie sollen gelesen werden.