Die Menschen im Südwesten sind dafür bekannt, dass sie ihren Dialekt ungern verleugnen oder gar ablegen. Der Weg zur Hochsprache gilt als mühsam. Doch warum sprechen die Schwaben eigentlich so gern schwäbisch? Ist Schwäbisch am Ende etwa sexy?
"Pepper & Salt", so heißt eine Band, die vor allem in Baden-Württemberg bekannt ist. Auf ihrer jüngsten CD begeistern die fünf Schwaben ihre Zuhörer mit a-cappella-Gesang. Und ihrem klaren Bekenntnis zum Dialekt: "Mir singed älles - wennsseimußauhochdeitsch", so lautet der Titel des Tonträgers. Und zur Freude der Zuhörer lassen sie bei ihren Auftritten im "Hafer-und Bananenblues" sogar das legendäre Zeichentrickduo "Äffle" und "Pferdle" noch einmal auferstehen.
Kürzlich begeistern sie die über 70 Zuhörer in der Besenwirtschaft "Krug" in Stuttgart-Feuerbach. Es ist eigentlich ein etwas größeres Wohnzimmer. Aber auch ein typisch "schwäbischer Ort". Privatkneipen wie der "Krug" haben Tradition, sind ein Kontrast zur quirligen Clubkultur der Stadt. Selbst viele junge Stuttgarter lieben die Besenwirtschaften für ihre gewachsene Gemütlichkeit und Weinseligkeit. Dort ist man unter sich, und spricht, natürlich, schwäbisch.

Baden-Württemberg ist eines der wohlhabendsten Bundesländer, arm an Bodenschätzen, zählt es dennoch zu den erfolgreichsten Regionen Europas. Das Land ist exportstark, verfügt über zahlreiche Forschungseinrichtungen und viele Menschen arbeiten in Hochtechnologie- und Zukunftsbranchen. Manches kleine und mittelständische Unternehmen ist führend auf dem Weltmarkt. Doch wie Bayern gehört Schwaben zu den Regionen, in denen die Menschen ihren Dialekt sprechen - und lieben.
Eine clevere Werbeagentur machte daraus 1999 einen Slogan, mit dem sich Schwaben und Badener selbst ein wenig auf den Arm nehmen: "Wir können alles. Außer Hochdeutsch", so die Botschaft dieser vielleicht bekanntesten Sympathiekampagne in Deutschland, die in kurzer Zeit fast schon zum geflügelten Wort wurde. Die Kampagne lebt von der Macht des Dialekts, in der bekannte Schwaben und Badener über ihre wirtschaftlichen oder sportlichen Erfolge berichten - jeweils im breiten Dialekt.

Doch das "Babbeln, wie einem der Schnabel" gewachsen ist, kann manchmal auch von Nachteil sein. Etwa im Beruf. Seit Jahren schon bietet das Stuttgarter Sprachinstitut "Fon" deshalb Kurse an, in denen Schwaben, Bayern und zugewanderte Sachsen üben, ihre Mundart loszuwerden. "Wir können alles, auch Hochdeutsch!", nennt Sprachtrainerin Ariane Willikonsky diese Kurse - im Gegensatz zum Slogan der bekannten Sympathie-Kampagne. Zu der Stuttgarter Sprachlehrerin kommen Menschen aus vielen Schichten. Bauleiter etwa, die sich bei Geschäftspartnern mehr Autorität verschaffen wollen. Oder Führungskräfte vom "Daimler", die bei ihren Auslandseinsätzen besser verstanden werden wollen.
"Hochdeutschsprecher wirken bei Vorträgen oder Präsentationen auf die Zuhörer kompetenter und fachkundiger als Dialektsprecher", so heißt es in der Sprachschule. "Unbewusst ordnen ihm die Zuhörer auch mehr Bildung und einen höheren Gesellschaftsstatus zu". Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass Sprecher, die sowohl perfektes Hochdeutsch sprechen, als auch einen Dialekt beherrschen, für besonders intelligent und sprachkompentent gehalten werden. Ein Beispiel hierfür sei Harald Schmidt, der von einer Sekunde auf die andere von Hochdeutsch in astreines Schwäbisch wechseln kann.