Goethes Erlkönig auswendig aufsagen oder Kein schöner Land frei singen - welches Kind kann das heute noch? Volkslieder scheinen immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Doch das soll sich jetzt ändern: Das Projekt 'Canto elementar' will Kindern Freude am Singen neu vermitteln.
Seit einem Jahr besuchen Senioren Kindergärten und Grundschulen, um gemeinsam mit den Sprösslingen Hoch auf dem gelben Wagen oder Alle Vögel sind schon da anzustimmen. Ein Bündnis der Generationen: Für die Altmeister ist Singen die pure Freude und Volkslieder ein Kulturgut, für die Kinder eine wichtige Bereicherung.

Dass die jüngere Generation heute keine Volkslieder mehr singen kann und ihr Eigen nennt, hat auch mit der Vergangenheit zu tun. Die Nationalsozialisten missbrauchten das alte Liedgut für ihre perfide Ideologie. So entfernten Erzieherinnen nach dem Zweiten Weltkrieg das Singen von Volksliedern aus den Lehrplänen.
Vor dem historischen Hintergrund habe etwa der Philosoph und Musiktheoretiker Theodor W. Adorno Singen nach Auschwitz als großes Problem angesehen, sagt der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Hermann Rauhe. "Generationen von Musikerzieherinnen und Musikerziehern haben gesagt: Singen ist Manipulation und Fremdbestimmung. Wir hören lieber Musik."
Heute zeigen immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse die positiven Seiten des Singens auf: Gesang fördert Sprachentwicklung, Intelligenz und die psychische und körperliche Gesundheit. "Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen", sagt Yehudi Menuhin, einer der bedeutendsten Geiger des vergangenen Jahrhunderts.
Für die Bewahrung des Volksliedguts setzten sich über 400 Singpaten von "Canto elementar", einem Projekt der Stadt Hamburg und der Yehudi-Menuhin-Stiftung Deutschland, ein. Die Nachfrage der Kindergärten sei groß.

Für ihren Einsatz als Singpaten werden die Seniorinnen und Senioren eigens ausgebildet. Viele berichten von schönen Erlebnissen bei ihrer Tätigkeit, wenn Kinder ihre Freude an den Liedern entdecken und plötzlich durch den Gesang ruhig und konzentriert werden.
Das Singen und mit ihm das traditionelle Liedgut sind in Deutschland in Vergessenheit geraten. Das bundesweite Projekt "Canto elementar" und die Initiative des Vereins Il Canto del Mondo, ein internationales Netzwerk zur Förderung der Alltagskultur des Singens wollen das ändern ganz im Sinne des Initiators des Projekts in Deutschland Dr. Karl Adamek: "Singen gehört zur Natur des Menschen wie der Wind zu Wolken und Meer."
Canto elementar Hamburg sucht weiter nach Singpaten. Infos unter: Hotline: (040) 608 10 198
oder auf der Homepage von Canto elementar(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster)
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