Dana Wagenknecht und ihr Mann hatten sich das lange nicht getraut: Einen kleinen Laden zu eröffnen. Seit kurzem aber sind die Wagenknechts Ladeninhaber. In zwei Geschäftsräumen im Leipziger Westen bieten sie bunte indische Tücher und Kleider zum Kauf an. Ihre Betriebskosten und damit ihr Geschäftsrisiko sind vergleichsweise gering: Denn eine normale Miete zahlen die Wagenknechts nicht. Sie sind Hauswächter.
Die Idee wurde Ende 2004 geboren: Sie stammt von Leipziger Geographiestudenten und Stadplanern, die nicht mehr mit ansehen wollten, wie das schöne Leipziger Stadtbild immer mehr verfiel. 2500 Gründerzeithäuser stehen leer, besonders an den Hauptverkehrsstraßen. Eine denkmalpflegerisch wichtige Bausubstanz, die eigentlich dringend saniert werden müsste. Dafür aber fehlt den Eigentümern vor allem die Perspektive - denn Mieter sind in Leipzig rar. Damit die Gebäude nicht länger leerstehen, wurde das Modell des "Wächterhauses" entwickelt. Das Grundprinzip lautet: Hauserhalt durch Nutzung.
Der Verein Haushalten, der das organisiert, sucht dafür Nutzer, die die vorhandenen Räume selbständig herrichten. Diese Hauswächter verpflichten sich, auf die Häuser zu achten: Schon durch ihre bloße Anwesenheit werden Schäden schneller erkannt und die Häuser auch vor Vandalismus geschützt. Mindestens einmal im Monat klettert einer der Hauswächter aufs Dach und schaut, ob es auch nicht hineinregnet.

Dafür zahlen sie keine herkömmliche Miete, sondern nur die Betriebskosten. Die Vorteile für den Eigentümer liegen auf der Hand: Die Nutzer entlasten ihn von den laufenden Hauskosten, sie heizen die Häuser, sind einfach da und stoppen schon damit den weiteren Verfall. Es ist ein Geschäft, von dem alle etwas haben.

Während die Eigentümer noch ängstlich sind und erst einmal überzeugt werden müssen, kann sich der Verein bei den Nutzern vor Interessenten kaum retten. Doch nicht jeder kann Hauswächter werden - verlangt wird ein schlüssiges Konzept. "Die Leute im Haus müssen schließlich auch zueinander passen", gibt Vereinsvorsitzende Juliana Pantzer zu bedenken. Und: Es geht dem Verein auch nicht darum Wohnraum zu schaffen. Gesucht werden Vereine, Existenzgründer und Künstler, die Ateliers oder Galerien brauchen.
Auch Studenten wie Florian Lamm und Martin Luft gehören zu den Hauswächtern. Die beiden studieren an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seit Wochen schon schleifen sie zusammen mit Freunden Böden ab, sogar Stromleitungen haben sie neu verlegt. Sie ziehen Wände ein, malern, reparieren, was zu reparieren ist. Dafür können sie bald eine mehr als 100 Quadratmeter große Fläche nutzen und haben Platz, um ihre künstlerischen Projekte und Ideen zu verwirklichen.
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