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11. Februar 2012
 

sonntags

 
sonntags, 9.02 Uhr
Paro wird gebürstet. Quelle: ZDF
Auch eine Roboterrobbe braucht Pflege.

Aktuell

Paro - der Kuschelroboter

Tamagotchi für die Therapie

von Annette Lönne

Er hat große schwarze Augen, ein niedliches Gesicht und ein weiches, weißes Fell. Paro sieht aus wie ein einfaches Plüsch-Robbenbaby. Doch im Inneren versteckt sich ein kompliziertes Computersystem, welches das Tier zum Leben erweckt. In Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen, in denen die Haltung von lebenden Tiere nicht erlaubt ist, hat man mit dem Kuschelroboter gute Erfahrungen gemacht.

 
 
 
 

Paro reagiert auf die Menschen um ihn herum. Er will gestreichelt werden, will, dass man sich um ihn kümmert. Das dankt er dann zum Beispiel mit einem herzerweichenden Augenaufschlag oder bewegt seine Gliedmaßen. Redet man mit ihm, dann wendet er sich dem Sprechenden zu. Berührt man die Barthaare, fängt er an zu weinen oder dreht den Kopf weg - das mag er nämlich nicht. Bis zu 50 Stimmen soll die Plüschrobbe unterscheiden und sogar auf ihren Namen hören können. Paro ist aber auch lernfähig und merkt sich, wie er behandelt wird.

Paro mit drei alten Frauen. Quelle: ZDF
ZDF
Paro erkennt Menschen an der Stimme.

Eine Alternative zum lebenden Tier

Der positive Einfluss von Tieren auf ältere oder demente Menschen ist schon lange bekannt. Oft ist es in Pflegeheimen oder Krankenhäusern aber nicht möglich, Tiere zu halten. Zu viele Probleme können auftreten. Wer kümmert sich und versorgt das Tier? Was passiert, wenn Allergien auftreten? Wie reagiert man, wenn das Tier beißt? Mit dem Roboter fallen diese Probleme nicht an. Paro ist hygienischer, geduldiger und immer einsatzbereit - 24 Stunden am Tag.

 

Während Paro in Japan schon auf dem Markt ist, soll er in Deutschland erst in diesem Jahr eingeführt werden. In zwei Pflegeheimen für Demenzkranke wird er aber hier schon seit einem Jahr getestet - mit Erfolg.

Paro wird zugedeckt. Quelle: ZDF
ZDF
Auch ein Roboter braucht Schlaf.

Paro spricht das Herz an

"Durch den Einsatz des Paros konnten wir die Medikamentengabe drastisch reduzieren", so Bernd Keller, Pflegedienstleiter des Christinenstifts in Baden-Baden. "Bewohner, die sehr unruhig waren oder gar weglaufen wollten, konnten durch den Einsatz des Paros in der Medikation deutlich heruntergefahren werden."

 

Das deckt sich mit Studien, die besagen, dass ältere Menschen durch Paro stressresistenter und zufriedener werden. Die kleine Robbe spricht das Herz an, das Gemüt. "Viele Bewohner haben das Gefühl, dass Paro sie braucht", so Monika Kimmig, Leiterin des Christinenstifts. "Das gibt ihnen eine Aufgabe und macht sie glücklich." Doch Tatsache ist auch: Die Robbe eignet sich nicht für jeden. Patienten, die früher selbst Tiere hatten, sprechen besonders auf Paro an.

Zwei Frauen, eine hat Paro auf dem Schoß. Quelle: ZDF
ZDF
Paro macht alte Menschen glücklich.

Sensoren im Fell

Zwei Computer sowie Sensoren, die auf Berührungen, Licht, Akustik, Temperatur und Position des Tieres ansprechen, lassen die Kuschelrobbe zum Leben erwachen. Paro merkt über seine Sensoren im Fell zum Beispiel, ob er gestreichelt oder geschlagen wird und reagiert entsprechend. Er kann zwischen Helligkeit und Dunkelheit, also zwischen Tag und Nacht unterscheiden. Über Tag ist Paro aktiv, abends wird er, so ist er programmiert, müde und schließt die Augen.

 

Etwas Pflege braucht allerdings die 57 cm lange und 2,7 Kilogramm schwere Robbe. Nach Gebrauch sollte das antibakterielle Kunstfell desinfiziert und gebürstet werden. Außerdem muss man die Batterien alle paar Stunden am Stromnetz aufgeladen.

Dr. Takanori Shibata - Erfinder von Paro. Quelle: ZDF
ZDF
Dr. Takanori Shibata

Der Erfinder der High-Tech-Robbe

Seit 15 Jahren arbeitet Takanori Shibata an seiner Idee eines Kuschelroboters. Anfangs experimentierte er auch mit Roboterhunden und Katzen, da er dachte, auf diese Tier würden die Menschen am ehesten ansprechen. Doch das Gegenteil war der Fall. "Die Menschen waren enttäuscht von dem Roboterhund oder auch der Roboterkatze", so der 41-jährige japanische Ingenieur. "Bei Paro passierte das nicht. Die Menschen verglichen ihn nicht mit einer lebenden Robbe, denn sie wissen nicht, wie sich diese Tiere verhalten."

 

Als dann die Entscheidung für die Robbe gefallen war, reiste Shibata nach Kanada, um sich die Heuler in ihrer natürlichen Umgebung anzusehen. Paro sollte dem Original so ähnlich sein, wie möglich. Selbst die Laute, die Paro von sich gibt, sind denen von Robbenbabys nachempfunden. Bislang reagiert Paro nur auf die japanische und englische Sprache. Sein Erfinder Dr. Shibata arbeitet gerade an einer deutschen Version. Zukünftig soll die kleine Robbe dann bis zu 50 deutsche Wörter verstehen können.

 

Kein Ersatz für Pflegepersonal

Die Frage drängt sich auf. Sind wir schon so weit, dass High-Tech Kreaturen in der Pflege Einsatz finden? Dass diese Kreaturen sogar die Pflege übernehmen? Bernd Keller, Pflegedienstleiter des Christinenstifts, bestreitet das vehement: "Der Paro ist ein weiteres Kommunikationsmittel in der Pflege - ein therapeutischer Einsatz, aber die Pflege und Betreuung selbst kann der Roboter nie ersetzen. Das wird es auch nie geben."

 

Infobox

MATERNUS Altenheim GmbH & Co. KG
Ansprechpartner: Tobias Bachhausen
Walsroder Straße 93 D-30853 Langenhagen
Telefon: +49 (0) 511 123 23-295
Telefax: +49 (0) 511 123 23-210
tobias.bachhausen@maternus.de

 
 
 
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