Sie starteten zunächst in Berlin, inzwischen gibt es sie auch in Schleswig-Holstein: Die Sozialhelden. Mit kreativen Aktionen wollen sie auf soziale Probleme hinweisen und sie möglichst auch beseitigen, auf ganz unkonventionelle Weise.
Es gibt ein kleines Video über die "Sozialhelden", bei dem sofort klar wird, wie sie drauf sind: Raul steht mit seinem Rollstuhl an einer Treppe und niemand hilft ihm, die runter zu kommen. Schließlich erscheint ein Superman-Verschnitt und nimmt die Sache in die Hand. Zusammen mit einer jungen Frau, die sich erst mal theatralisch die Bluse aufreißt; ein T-Shirt kommt zum Vorschein und auf dem steht fett: SOZIALHELD.

Wenn man sich mit Lisa, Andrea und Raul trifft, tragen sie ebensolche T-Shirts, knallrot und mit der schneeweißen Aufschrift "Sozialheld" oder "Sozialheldin". Da weiß man schon mal mehr: Sozialarbeit muss also nicht immer einen schwergewichtigen Namen tragen.
"Sozialhelden", sagt Raul Krauthausen, das "sei natürlich mit einem Augenzwinkern gemeint, mit einer Portion Humor." Sie selber würden sich nicht als "Helden" fühlen, sondern als ganz normale Menschen, die eben soziale Arbeit machen. Wer etwas verändern will, der brauche keinen roten Umhang und auch keine Superkräfte, sondern Engagement, Überzeugung und Mut würden voll und ganz reichen.

Seit 2005 gibt es die Sozialhelden. Inzwischen ist aus zwei studentischen Initiatoren ein großes Netzwerk an Freiwilligen und ein gemeinnütziger Verein in Berlin geworden. Gemeinsam wollen sie mit kreativen Aktionen "auf soziale Probleme aufmerksam machen" und sie im besten Fall beseitigen.
Zusammen mit einem Berliner Radiosender haben sie so schon - in Anlehnung an diverse Casting-Shows - den "SuperZivi" gesucht. Die Kandidaten mussten sich knallharten Anforderungen stellen: Rollstuhlrennen, Behindertenwitze erzählen usw. Die "Sozialhelden" schufen mit tragbaren Rampen neue Verbindungen für Rollstuhlfahrer und seit 2007 gibt es einen Weblog über soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und deren Nachhaltigkeit mit dem Titel "Alles, was gerecht ist".

Eines der größten und wohl erfolgreichsten Projekte der "Sozialhelden" nennt sich "Pfandtastisch Helfen". Wer im Supermarkt seine Flaschen abgibt, steckt den Bon einfach in eine danebenhängende Box und spendet so ohne Überweisungsformular und Spendenquittung.
In Schleswig-Holstein zum Beispiel hängen diese Boxen unter anderem in EDEKA-Filialen und das Geld kommt pro familia zugute, in Berlin gibt es sie in vielen Kaisers-Filialen und das Geld geht an die Berliner Tafel, 160.000 Euro sind es bisher schon.

Die Berliner Tafel verteilt eigentlich Lebensmittelspenden an Bedürftige, aber das reicht nicht. Kai-Oliver Jessel von der Berliner Tafel e.V. sagt: "Wir nehmen keine öffentlichen Gelder, wir leben nur von Spenden und Mitgliedsbeiträgen, insofern sind die Sozialhelden echt wichtig."
Dass man eine kleine, fast familiäre Gruppe ist und kein Riesenverein wie Greenpeace oder ähnliche Organisationen, sehen die "Sozialhelden" dabei als großen Vorteil. Andrea Nienhaus: "Wenn man was tun will, nicht in einer großen Gruppe, wenn man selber Projekt erfinden, selber etwas machen will - dann kann man bei den "Sozialhelden" gut andocken".
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