Doro Wiebe vertritt in der Sendung "sonntags" nach Bedarf die beiden Moderatoren. Die selbständige TV-und Radio-Moderatorin, Jahrgang 1980, moderierte "37°plus" auf dem ZDFdokukanal. Die Wahl-Mainzerin ist den "sonntags"-Zuschauern auch durch ihre Reportage-Reihe "Die Mutmacher" bekannt. Sie wünscht sich Fernsehen, das "den Horizont weitet".
ZDF: Was verbinden Sie persönlich mit dem Sonntag?
Doro Wiebe: Als kleines Mädchen hatte ich besondere Schuhe, die ich nur am Sonntag tragen durfte. Sie waren schwarz und glänzend und in meinen Augen einfach wunderschön. Die ganze Woche habe ich sie immer wieder in die Hand genommen und mich darauf gefreut, sie anzuziehen. Durch dieses und andere Rituale habe ich gelernt: Der Sonntag ist ein ganz besonderer Tag. Einer, der noch mehr Glanz und Schönheit hat als die anderen. Einer, der einlädt, das Leben aus einer unverbrauchten Perspektive zu betrachten und sich zu öffnen für die Stille, für Gott und für das eigene Wesen.
Inzwischen arbeite ich sonntags oft, bin viel unterwegs und kann die Ruhe, die der Sonntag vermittelt, meistens nicht mehr so intensiv erleben. Aber dafür nehme ich mir meine "sonntags-Momente" jetzt unter der Woche. Zum Durchatmen, Neu-Sortieren und um die Lebensfreude in mir zu spüren. Dazu gehören für mich sowohl Momente der Stille und Meditation wie auch das Feiern, Bewegung, Musik, schönes Essen, gute Unterhaltung und Zeit mit Menschen, die ich liebe.
ZDF: Was reizt Sie an der Moderation von "sonntags"?
Doro Wiebe: Fernsehen dient ja oft dem Zweck, sich abzulenken von den eigenen Lebensfragen, "den Kopf frei zu kriegen", wie viele sagen. Und in gewissem Maß ist das sicher legitim und hilfreich. Aber ich persönlich erlebe Fernsehen dann als wertvoll, wenn es mich eben nicht wegführt von dem, was mich ausmacht, sondern wenn es mich hinführt zu den Fragen in mir, mitten in mein eigenes Herz. Und mir dann auch noch die Augen öffnet für neue Möglichkeiten, für das Leben, für das Glück. Genau das tut "sonntags"! Und deshalb empfinde ich es als Freude und Ehre, mit den Zuschauern auf diese Weise in den schönsten Tag der Woche zu starten. Mit einer Palette an Schönem, Ernstem, Tiefem und Fröhlichem. Und mit der Einladung, das Leben zu umarmen.
ZDF: Was könnte für Sie "TV fürs Leben" sein?
Doro Wiebe: Fernsehen, das mich nicht zudröhnt, sondern anspricht. Das mich nicht stumpf macht, sondern etwas in mir berührt. Das mich nicht ablenkt, sondern mich näher zu mir selber bringt. Fernsehen, das mein Leben nicht enger macht, sondern mir den Horizont weitet.