Ahnenforschung heißt ein neuer Volkssport der Deutschen. Jeder Dritte hat sich schon damit beschäftigt. Für Wissenschaftler kommt dieser Trend nicht von ungefähr, denn gerade in Zeiten der Globalisierung wollen Menschen zu ihren Wurzeln finden.
Als Thomas Greve ein junger Mann war, hat er sich für seine Verwandtschaft nicht besonders interessiert. Und schon gar nicht für seine Vorfahren. Ein Fehler, wie er heute meint. Er bereut, dass er seine Großeltern so wenig gefragt hat. Greve ist mittlerweile 46 Jahre alt und Vater von drei heranwachsenden Kindern. Die Frage, von wem er abstammt, spielt heute eine große Rolle für ihn.
Thomas Greve hat die Ahnenforschung vor sechzehn Jahren für sich entdeckt. Damals kam Marc, sein erster Sohn, auf die Welt. Plötzlich reichte ihm das, was er über seine Familie wusste, nicht mehr. Er wollte seinen Nachkommen sagen können, von wem sie abstammen.

Seine jahrelange Arbeit kann sich sehen lassen: Fast tausend Personen hat Thomas Greve in seiner Datenbank, elf Generationen lässt sich seine Familiengeschichte zurückverfolgen. Nun steckt er fest - im Jahr 1714. Bei Johann Heinrich Greve, einem Grenadier vom lippischen Regiment. Er braucht den Geburtsort, um weiterzukommen - doch der fehlt ihm. Noch.
Er ist optimistisch, schließlich hatte er auch bei der Suche nach seinem Ururgroßvater einen überraschenden Erfolg. "Wer kennt Louis Brandenburger?" fragte er damals im Internet. Und dessen Enkel meldete sich per E-Mail und erzählte ihm, wie der Ururgoßvater zu Tode kam. Eine tragische Geschichte: Brandenburger wurde von einem Auto überfahren. Das war an einem Sonntag im März 1925, der 68-jährige Louis Brandenburger kam gerade aus der Kirche und war auf dem Heimweg. Greve hat sogar einen Zeitungsartikel über den Unfall gefunden.

"Spannender als manchen Krimi", findet auch Greves Frau Martina die Familienforschung. Zunächst habe sie überhaupt nicht verstanden, warum sich ihr Mann so für Familiengeschichte begeistern konnte, erzählt sie. "Der soll sich mal besser um die Lebenden kümmern", habe sie immer gesagt. Mittlerweile forscht sie selbst und kann jede Menge Anekdoten über ihre Vorfahren erzählen.
Die Greves sind nicht die einzigen, die sich Familienforschung zum Hobby gemacht haben. Nach den Ahnen zu suchen liegt im Trend - und ist übers Internet auch einfacher geworden. Niemand muss mehr in staubigen Archiven und Kirchenbüchern stöbern. Immer mehr Daten sind online, neue Computerprogramme und zahllose Internetangebote machen Ahnenforschung für immer mehr Menschen zugänglich.
Es ist ein interessantes Hobby, findet Thomas Greve. Und seine Frau pflichtet ihm bei: Seit sie sich mit der Geschichte ihrer Familie beschäftige, interessiere sie sich überhaupt viel mehr für Geschichte. "Ich will auch wissen, in welcher Zeit die gelebt haben?"
Sohn Marc - mit dessen Geburt alles ins Rollen kam - interessiert sich nur mäßig für das Hobby seiner Eltern. "Vielleicht später", meint er immerhin versöhnlich. Und stellt in Aussicht, dass er es vielleicht weiterführt, sollte er selbst einmal Vater sein.
Das ZDF ist für den Inhalt externer Webseiten nicht verantwortlich