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10. Februar 2012
 

sonntags

 
sonntags, 9.02 Uhr
André Potschew mit einem Behinderten auf dem Feld. Quelle: ZDF
Zivi André Potschew kümmert sich zusammen mit Behinderten um die Landwirtschaft.

Schwerpunkt

Mehr als ein Job

Zivildienst in einer Behindertenwerkstatt

von Steffi Treuger

André Potschew muss kräftig zupacken. Ställe ausmisten gehört seit acht Monaten zur täglichen Routine des 21-Jährigen. Er leistet seinen Zivildienst in den Lindenwerkstätten der Diakonie in Panitzsch bei Leipzig. Sie ist der größte Arbeitgeber für Behinderte in Leipzig und Umgebung. Über 150 meist geistig Behinderte finden hier nicht nur eine Aufgabe, sondern auch das Gefühl, gebraucht zu werden.

 
 
 
André Potschew im Hühnerstall. Quelle: ZDF
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Für André beginnt der Tag im Hühnerstall.

Sieben Uhr morgens in den Lindenwerkstätten bei Leipzig. Hier warten nicht nur 300 Hühner auf André Potschew. Füttern, tränken, Eier einsammeln - das gehört seit acht Monaten zur Routine des 21-Jährigen aus dem Nachbarort. Der gelernte Zerspanungsmechaniker leistet hier seinen Zivildienst und kümmert sich zusammen mit geistig Behinderten um die Landwirtschaft.

 

Anderen Menschen helfen

Auch wenn er hier nicht seine ersten Lebenserfahrungen nach der Schulbank macht: Als junger Mensch kann André Potschew bei der Arbeit mit Behinderten vor allem Einfühlungsvermögen lernen. Mit Menschen, wie Hanjo, Frank und Uwe hatte der 21-jährige vor seinem Zivildienst kaum zu tun: "Ich wollte von Anfang an Menschen helfen. Beim Bund kann ich Menschen nicht helfen, beim Bund, das muss man jetzt einfach mal so sagen, da renne ich im Dreck rum und hier helfe ich Menschen und erfahre mehr von behinderten Menschen, und das fand ich sehr interessant."

Behinderte in der Werkstatt. Quelle: ZDF
ZDF
Behinderte in der Werkstatt der Diakonie

André ist einer von drei Zivis, die in den Panitzscher Diakoniewerkstätten ihren Dienst leisten. Hier finden über 150 meist geistig Behinderte nicht nur eine Aufgabe, sondern haben auch das Gefühl, gebraucht zu werden. Nicht jeder Zivi ist dem Alltag hier gewachsen: "Viele sind in Fahrdiensten, weil sie sagen: 'Das ist einfacher für mich. Ich fahre die Menschen hin und her oder das Essen und das reicht mir.' - Ich habe mir gesagt, so was will ich nicht machen, da helfe ich ja keinem damit. Ich möchte Leuten helfen, und weil ich auch gerne mit Tieren arbeite, ist es für mich das beste, was mir passieren konnte. Es macht auch sehr viel Spaß und man geht jeden Tag mit guter Laune und mit gutem Gewissen hierher," erklärt André.

André Potschew. Quelle: ZDF
ZDF
Zivi André Potschew

Verantwortung übernehmen

André ist vorher einen Tag lang "mitgelaufen", bevor seine Entscheidung fest stand: "Die Jungs haben mich den ersten Probearbeitstag sehr gut aufgenommen und da war das für mich sofort klar, dass ich hier arbeiten will." Und schon nach wenigen Tagen war André von den "Jungs", wie er seine Gruppe nennt, akzeptiert.

 

André hat im Zivildienst gelernt, Verantwortung zu übernehmen - nicht nur dank Gruppenleiter Klaus Thieme: "Ich habe zu ihm gesagt, André, wenn Du was lernen willst, dann tu mit Deinen Augen mausen, einfach abgucken und dann lernst Du auch viel."

 
André Potschew mit Behinderten. Quelle: ZDF
ZDF
André Potschew mit seinen "Jungs".

In vier Wochen ist für André die Zivildienstzeit vorbei. Dann kann André wieder in seinem alten Betrieb im Nachbarort anfangen. Dem Ende sieht der junge Mann mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge entgegen: "Vermissen werde ich sie schon ein bisschen, also was heißt ein bisschen, ich werde sie sehr vermissen, weil wir Spaß hatten und schöne Zeiten hatten. Aber ich komme sie öfter mal besuchen und das mache ich auch."

 
 
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