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21. November 2009
 

sonntags

 
sonntags, 9.02 Uhr
Zivildienstleistender hilft im Diakonie-Klinikum in Stuttgart. Quelle: ap
Zivildienstleistender in einem Klinikum

Aktuell

Zivildienst vor dem Aus?

Diskussion über die verkürzte Zivildienstdauer

Künftig soll der Zivildienst nur noch sechs statt neun Monate dauern. Für einige Wohlfahrtsverbände ist damit der Einsatz von Zivis kaum noch sinnvoll. Ein freiwilliges soziales Jahr wäre eine Alternative. Viele Jugendliche würden das begrüßen.

 
 
 
 

Aus Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Rettungsdiensten sind Zivildienstleistende kaum noch wegzudenken. Mehr als 75.000 Kriegsdienstverweigerer sind derzeit im Einsatz. Doch mit der geplanten Verkürzung der Wehrpflicht auf nur noch sechs Monate sehen Sozialverbände den Dienst in Gefahr.

 

Das läute "den Anfang vom Ende des Zivildienstes überhaupt" ein, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Bei der Pflege, in Kindergärten oder der Arbeit mit Behinderten, so Schneider, könne man es den Menschen einfach nicht zumuten, alle halbe Jahre die Bezugsperson zu wechseln.

Rotes Kreuz. Quelle: reuters
reuters
Verzicht auf "Zivis": Rotes Kreuz

Die Pläne der Koalition

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) befürchtet den Verlust der "Zivis". DRK-Sprecherin Svenja Koch betonte, Altenpflege mache niemand von heute auf morgen. Für den Rettungsdienst und beim Krankentransport gilt das umso mehr. Angesichts der langen Ausbildungs- und Einarbeitungszeiten lohnt sich für die Verbände der Einsatz von Zivildienstleistenden nicht mehr, wenn junge Männer nach kurzer Zeit gleich wieder verschwinden.

 

Bedeutet dies das Ende einer seit 48 Jahren bestehenden Einrichtung? Anfangs dauerte der Zivildienst 15 Monate, Ende der 80er Jahre waren es sogar 20 Monate. Seit 2004 ist die Dauer des Zivildienstes an die des Wehrdienstes gekoppelt. Zurzeit sind es 9 Monate. Laut Koalitionsvertrag von Union und FDP sollen Wehr- und Zivildienst ab 2011 auf sechs Monate verkürzt werden, damit pro Jahrgang mehr junge Männer eingezogen werden können.

Freiwilliges soziales Jahr

Lediglich eine Veränderung des Zivildienstes, aber keineswegs dessen Aus erwarten Caritas und Diakonie. Für Caritas-Präsident Prälat Peter Neher führt die Verkürzung "nicht zum Zusammenbruch der sozialen Arbeit". Eine kürzere Dauer werde zwar das Profil und die Durchführung des Zivildienstes verändern, er könne aber auch künftig als Lerndienst ausgestaltet werden. Damit nimmt der Caritas-Chef die Grundstimmung kirchlicher Einrichtungen auf. Sie plädieren dafür, alternativ das freiwillige soziale Jahr attraktiver zu machen.

 

Die Ausweitung der Freiwilligendienste käme auch vielen Jugendlichen entgegen. Nach den Ergebnissen der vorletzten Shell-Jugendstudie haben rund 17 Prozent eines Jahrgangs ein großes Interesse, ein freiwilliges Jahr zu leisten. Bei rund 800.000 Angehörigen eines Jahrgangs wären das mehr als 130.000 Jugendliche. Nach dieser Rechnung könnte jede Zivildienststelle also mit einem oder einer Freiwilligen besetzt werden.