Schüler des Evangelischen Ratsgymnasiums Erfurt engagieren sich in einer AG, um Jugendlichen das Schicksal der Erfurter Juden zugänglich zu machen. Das Projekt läuft im Rahmen von "DenkMal Aktiv" der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und erhielt im letzten Jahr den History Award.
Was im vergangenen Jahrzehnt in der Erfurter Altstadt im Zuge von Abriss, Sanierung und Neubau zum Vorschein kam, grenzt an ein kleines Wunder. Zunächst war es die Erkenntnis, dass die alte Erfurter Synagoge - die älteste Deutschlands mit Wurzeln im 11. Jahrhundert - im Gewirr der Mauern von Handelshäusern und Gastwirtschaften komplett und fast unversehrt die Zeiten überdauert hatte.

Wenig später sorgte ein Schatzfund aus der gleichen Epoche für Aufsehen: Betriebskapital und persönliches Besitztum eines jüdischen Händlers, sorgsam versteckt. Und im vergangenen Jahr tauchte bei Bauarbeiten in der Nähe der berühmten Krämerbrücke auch noch die lange zerstört geglaubte Mikwe, das Kultbad der frühen jüdischen Gemeinde, wieder auf.
All dies, ergänzt durch wertvolle Handschriften, die heute in Erfurt und Berlin aufbewahrt werden, ermöglicht einen nahezu unverstellten Blick in die Zeit des späten Mittelalters, einer Zeit, in der christliche und jüdische Bürger in Thüringen friedlich miteinander lebten und arbeiteten. Während in der Synagoge ein Museum eingerichtet wird, haben Schüler des Evangelischen Ratsgymnasiums Erfurt damit begonnen, dieses Erbe der Geschichte für sich und andere zu erschließen.
Ihre Schüler-Arbeitsgemeinschaft "DenkMal Aktiv" erarbeitete in den vergangenen beiden Jahren das Konzept einer thematischen Führung durch das jüdische Erfurt. Sonntags begleitete Vanessa Sabath (16) und Grit Unzner (15) während einer solchen Führung mit Schülern aus Neudietendorf.

Die beiden Mädchen sind mit ganzem Herzen bei der Sache: "Man fängt an, Erfurt mit anderen Augen zu sehen. Zum Beispiel, wenn heute jemand aus meiner Familie sagt, Erfurt zeichnet sich aus durch Krämerbrücke, Dom und Bratwurst, dann kann ich dazu sagen, dass aber die Synagoge von der Geschichte her manchmal viel interessanter ist als die Krämerbrücke oder der Dom", meint Vanessa Sabath und fügt hinzu: "Anfangs war das eben nur so ein Projekt, eine AG, die man gern gemacht hat. Aber wir haben uns mittlerweile in ein paar Teile der Synagoge so richtig verliebt."
Zwar wird das Museum in der Alten Synagoge erst im Herbst 2009 fertig sein, aber in Absprache mit der Stadtverwaltung sind vereinzelte Besuche auch jetzt schon möglich.
Kontakt zu den Schülern über die Erfurter Stadtverwaltung
Ansprechpartnerin: Ines Beese
Tel: 03 61/ 6 55 16 08, Fax: 03 61/ 6 55 16 69
E-Mail: Altesynagoge@erfurt.de
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