Der aus England kommende Transition-Town-Bewegung gehören weltweit über 250 Städte an. Transition-Towns wie Bielefeld setzen auf eine Lebensform, die zu lokalen Kreisläufen zurückfindet - und dafür weniger Öl und andere fossile Ressourcen verbraucht.
Das atomare Desaster in Japan hält die Welt in Atem. Landauf, landab diskutierten Bürger, Politiker und die Medien, welche Lehren aus der Atomkatastrophe in Fukushima zu ziehen sind. Es stellt sich die Frage, wie eine neue, nachhaltige Energiepolitik aussehen könnte.

Explodierende Preise für Öl an Tankstellen, die letzte Abrechung fürs Heizen mit Öl, Gas oder Holz signalisieren, dass der westliche, verschwenderische Lebensstil an einem historischen Wendepunkt gekommen sein könnte. Stromsperren und Lebensmittelknappheit in Tokio zeigen, wie verletzlich unsere Industriegesellschaft ist, wenn es einmal zum Ausnahmezustand kommt. Eine Großstadt wie Paris kann ihre Bewohner nur wenige Tage ernähren, falls die Verteilung oder Produktion der Lebensmittel einmal gestört ist.
Der Sozialpsychologe Harald Welzer und seine Co-Autoren warnen in dem Buch "Klimakulturen", dass die Menschheit den Problemen, die mit dem Klimawandel und der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen verbunden sind, nicht gewachsen sein könnte. Immer mehr Bürger interessieren sich für diese Probleme und sind bereit, sofort zu handeln, um sich neues Wissen anzueignen, und Alternativen zum bisherigen Lebensstil zu erproben.
Eine besonders erfolgreiche Basisbewegung, in der sich Bürger weltweit engagieren, um Alternativen zum bisherigen Lebensstil zu suchen, ist die Transition-Town-Bewegung. In Dörfern, kleinen und großen Städten erproben Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft, wie nachhaltiges Wirtschaften funktioniert.
Der Wissenschaftler Rob Hopkins gründete diese Bewegung mit seinen Studenten im Jahr 2006 in der 8.000-Einwohnerstadt Totnes im Südwesten von England. Mit Hilfe des Internets entwickelte sich innerhalb weniger Jahre eine internationale Bewegung für den Übergang (Transition) in eine nachhaltige Welt. Die Vision von Rob Hopkins und seinen Studenten wurde zum Vorbild für viele Städte und Kommunen. Hopkins beschreibt in seinem Buch "Die Energiewende - Das Handbuch", wie ein Leben mit sehr viel weniger Energieverbrauch und Konsum aussehen könnte. Er ist einer der wichtigsten Umweltschützer in England.

Auch in Deutschland hat die Bewegung Wurzeln geschlagen. Zuerst in Berlin, dann auch in Bielfeld oder Hamburg. In diesen Städten bewirtschaften die Aktivisten Gärten nach dem Permakulturprinzip, wonach sich Bürger wieder selbst mit Nahrungsmitteln versorgen sollen. Im Görlitzer Park in Berlin pflanzten die "Kiezwandler" Obstbäume, die sie mit Bewohnern aus dem Kiez pflegen.
Sie experimentieren mit neuen technischen Lösungen, um Strom zu erzeugen oder fragen schlicht die Großmutter, wie das mit dem Einmachen von Obst eigentlich funktioniert. Das Wiedererlernen und Bewahren in Vergessenheit geratener Fähigkeiten im Handwerk, Handarbeit, Pflanzen- und Nahrungskunde steht dabei im Mittelpunkt. Zudem planen die Kiezwandler, außerhalb von Berlin einen Bauernhof zu betreiben, um sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen.
Der IT-Unternehmer Gerd Wessling gründete die Transition-Town in Bielefeld, nachdem er bei einer Fortbildung in dem renommierten Schumacher College in Totnes in England auf die Ökobewegung aufmerksam wurde. Den Physiker beeindruckte, "dass die Initiative ganzheitlich auf der emotionalen und handelnden Ebene ansetzt, um Bürgern zu verdeutlichen, was der kommende Energie- und Kulturwandel für den Einzelnen bedeutet".
Gemeinsinn ist Gerd Wessling besonders wichtig. Denn der "müsse genau so erlernt und kultiviert werden wie Lesen und Schreiben". Iris Kunze, die gemeinschaftliche und ökologische Lebensweisen in Münster als Wissenschaftlerin erforscht, erklärt den weltweiten Erfolg der neuen Ökobewegung so: "Die Transition-Town-Bewegung ist so erfolgreich, weil sie Menschen abholt und ihnen die Möglichkeit gibt, ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen".
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