"Der Weg beginnt zu Hause" sagen die Spanier über den Camino. Das schließt auch die Vorbereitung ein. Selbst wenn das klassische Fußpilgern an sich eine einfache Sache ist, gibt es doch Tipps und Tricks, die die Reise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu einem Erlebnis ohne unerwünschte Nebenwirkungen machen.
Wie schwer sollte mein Gepäck sein?
Mit viel mehr als zehn Kilogramm Gepäck sollte man die Heimat nicht verlassen - unterwegs kommen durch die Verpflegung und die aufgefüllte Wasserflasche meist noch ein bis zwei Kilo dazu. Was man während des Pilgerwegs problemlos nachkaufen kann (zum Beispiel Zahnpasta), kann auch in kleineren Dosierungen eingepackt werden.

Wie schütze ich mich vor Blasen?
Empfehlenswert sind gute Wanderstiefel, die über den Knöchel reichen und auf jeden Fall eingelaufen sind. Für die Herberge sind Sandalen gut geeignet, um an den Abenden den Füßen die nötige Luft zu gewähren. Spezielle Wandersocken schützen vor Druckstellen und sollten während der Reise wenn möglich nicht gewaschen werden, denn so können sie sich wie die Schuhe am besten an den Fuß anpassen. Die tägliche Fußpflege ist dafür ein umso wichtigsteres Abendritual beim Pilgern: Hirschtalg gilt als Geheimwaffe gegen Blasen. Die Pilgerschuhe sollten dann zusammen mit den Wandersocken lüften. Frische Socken und zum Beispiel ein paar Sandalen sind am Abend die richtige Fußkur.
Wieviel Bekleidung brauche ich?
Weniger ist mehr! Es gibt keine Faustregel für die Anzahl an Pullovern, T-Shirts und Hosen. Meistens reicht je nach Länge des Pilgerwegs jedes Kleidungsstück in zwei- bis dreifacher Ausführung problemlos aus, da man in den Herbergen waschen kann (dazu bei Bedarf Waschseife mitnehmen) und die Kleidung in der Sonne oft schnell trocknet. Detaillierte Packlistenvorschläge sind in einigen Pilgerratgebern zu finden.

Brauche ich wetterfeste Kleidung?
Ein Regencape, das über den ganzen Körper und den Rucksack bis zum Boden reicht, ermöglicht auch eine Wanderung im Regen. Gegen die Sonne sollte unbedingt eine Kopfbedeckung getragen werden. Sonnencreme ist empfehlenswert. Eine Trinkflasche darf ebenfalls nicht fehlen. Eine leichte Plastikwasserflasche kann unterwegs problemlos aufgefüllt werden.
Brauche ich Schlafsack und Isomatte?
Viele Herbergen haben ein Schild ausgehängt: "Der Tourist verlangt, der Pilger nimmt hin." Wer also nicht in Hotels oder Pensionen nächtigt, sondern in die Pilgerunterkünfte geht, die zum Teil sogar kostenlos sind, braucht unbedingt einen (leichten) Schlafsack. Eine Isomatte ist nicht unbedingt erforderlich, da die Herbergen über Matratzen verfügen. Bei Überfüllung kann es vorkommen, dass nur noch ein Platz auf dem Boden zu bekommen ist. Dann ist eine Isomatte - eine halbe tut es auch - sinnvoll. Empfehlenswert ist auch ein kleines Kopfkissen - wer Gepäck sparen will, kann einen Pullover in die Schlafsackhülle stecken und diese als Kopfkissen verwenden, das spart Gepäck.

Muss ich im Vorfeld trainieren?
Eine sportliche Vorbereitung ist nicht notwendig, da jeder gesunde Mensch normalerweise in der Lage ist, größere Distanzen zu laufen und einen Rucksack zu tragen. Pilgern ist kein Sport. Ein paar Probewanderungen können aber nicht schaden und erhöhen das Selbstvertrauen.
Wie weit sollte man am Tag laufen?
Wenn die letzten 100 Kilometer bis nach Santiago nachweislich zu Fuß zurückgelegt wurden, gilt der Weg als gepilgert (mit dem Fahrrad oder Pferd müssen es 200 Kilometer sein). Es gibt keine Vorgaben, in welcher Zeit der Weg zurückgelegt werden muss. Erfahrungsgemäß liegt das durchschnittliche Pensum zwischen 25 und 35 Kilometern am Tag. Die Nachweise über die zurückgelegte Strecke sammelt man im Pilgerausweis.
Wo bekomme ich einen Pilgerausweis?
In Deutschland kann man sich den Pilgerpass bei den verschiedenen der Jakobswallfahrt verpflichteten Organisationen wie der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft ausstellen lassen. Der Pilgerausweis, auch Credential genannt, ist in Frankreich nützlich, in Spanien unentbehrlich. Er gilt als offizieller Ausweis für die Pilgerschaft und berechtigt zum Übernachten in den Herbergen. Im Pilgerpass werden zudem Stempel von Stationen auf dem Weg mit dem entsprechenden Datum eingetragen.

Wie viel Geld brauche ich unterwegs?
Eine EC-Karte reicht, Bargeld sollte nur in kleinen Mengen abgehoben werden, da der Jakobsweg hier und da auch (als Pilger verkleidete) Diebe anzieht.
Wie ernähre ich mich auf dem Pilgerweg?
Das Frühstück sollte reichhaltig sein, dann reichen für eine Tagesetappe kleine Snacks wie Obst und Müsliriegel. Reichhaltiges warmes Essen und die damit verbundenen großen Pausen sollten unterwegs vermieden werden, um den Rhythmus nicht zu stören. Abends darf es dann etwas mehr sein, zum Beispiel in den zahlreichen kleinen Restaurants.