Es begann vor etwa drei Jahren mit einem Trommel-Workshop im Augustinum Wohnstift in Bonn, daraus entstanden ist eine professionelle Perkussionsgruppe, die "Tschabadinos". Regelmäßige öffentliche Konzerte und Auftritte motivieren die alten Menschen weiterzumachen.
Initiatorin war Eva Rommerskirchen, die Kulturreferentin im Augustinum Bonn, die den Trommel-Lehrer Ansgar Buchholz bei einem Konzert der Bonner Musikschule kennenlernte. Der charismatische Lehrer für Perkussionsinstrumente zögerte nicht lange, als sie ihm ihre Idee von einer Trommelgruppe im Wohnstift vorstellte.
Und das, obwohl er mit Seniorinnen und Senioren keine Erfahrung hatte, sondern in der Regel mit jugendlichen Gruppen arbeitete. Trotzdem nahm er die Herausforderung an und reist seit mittlerweile drei Jahren einmal im Monat an einem Mittwoch mit "großem Percussion Gepäck" im Augustinum an, um die Trommelgruppe zu leiten.

Als das Projekt im Kulturkalender des Augustinum im Januar 2006 angekündigt wurde, meldeten sich gleich 22 Bewohnerinnen und Bewohner im Alter von 78 bis 94 Jahren spontan an.
Auch, wenn die Seniorinnen und Senioren am Anfang ein wenig skeptisch und unsicher waren, haben sich ihre Hemmungen relativ schnell gelöst. Mittlerweile spielen bis zu 30 Seniorinnen und Senioren mit großer Begeisterung regelmäßig mit und sind ganz dabei.
Inzwischen sind die Rollen der Gruppe aufgeteilt: Es gibt die "Agogo-Bell.Girls" und die "Queen of Congo". Ein Bewohner arbeitet sich seit langem mit der unscheinbaren, aber äußerst schwierig zu spielenden Triangel ein. Und eine andere Bewohnerin hat für sich das Tamburin entdeckt.

Zusammen beginnen sie sich einzustimmen mit einem gemeinsam gesprochenen Rhythmus: "Tschaba-dini, tschaba-dini" - "Dini-tschaba, Dini-tschaba". Daraus hat sich auch der Name der Trommelgruppe entwickelt: Er setzt sich zusammen aus "Tschaba" - und Dinos, ein Begriff, der als eine ironische Anspielung auf das Alter der Mitglieder gewählt wurde.

Der große Auftritt ließ nicht lange auf sich warten. Vom Deutschlandfunk wurde die Trommelgruppe im November 2006 zu einem ersten Live-Konzert gebeten. Zwei Jahre später kam die Einladung zum sogenannten "Gipfeltreffen" der Schlagzeuger in der Bundeskunsthalle in Bonn, wo die Tschabadinos als "Vorgruppe" der großen Stars, wie Alex Acuna und Peter Erskine, auftraten.
Als die Gruppe ihre Stücke beendet hatte, gab es tosenden Applaus und Alex Acuna verneigte sich vor der Trommelband mit den Worten: "I`d love to play with you!" Seitdem werden die Tschabadinos regelmäßig zur "Drums Summit" in die Bundeskunsthalle eingeladen. Letztes Jahr spielten sie im Vorprogramm von Terry Bozzio, dem legendären Schlagzeuger von Frank Zappa.
Das Trommeln hat im Wohnstift deutliche Spuren hinterlassen: "Mein gefühltes Alter ist um mindestens 20 Jahre gesunken", meinte eine Bewohnerin lachend. Und eine andere ist selbst darüber überrascht, dass sie sich darauf eingelassen hat, obwohl sie keine musikalische Erfahrung mitbringt. "Also wenn mir jemand früher gesagt hätte, dass ich mit 80 Jahren hier an einem Trommelkurs teilnehmen würde. Das hätte ich für unmöglich gehalten."
Der eineinhalbstündige Trommelkurs im Augustinum vermittelt verschiedene Spieltechniken, die mit einer Vielzahl von Rhythmusinstrumenten und Trommeln umgesetzt werden. Von Klanghölzern, Rasseln bis zu traditionellen Trommeln und Glocken, ist alles dabei. Ansagar Buchholz geht es jedoch auch darum, in das Wesen des Rhythmus einzuführen. Gemeinsam werden rhythmische Arrangements einstudiert, vom Samba aus Brasilien bis zum Dzigho aus Westafrika. Das kommt an und vermittelt Lebensfreude.
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