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12. Februar 2012
 

sonntags

 
sonntags, 9.02 Uhr
Häusliche Pflege. Quelle: ZDF
Pflege in den eigenen vier Wänden: Ruth R. betreut ihre demenzkranke Mutter.

Schwerpunkt

Wenn die Eltern zum Pflegefall werden

Wie die beste Betreung für Oma und Opa finden

Jahrelang ging alles gut, doch plötzlich wird die Mutter oder der Vater zum Pflegefall. Nun muss schnell eine Lösung her. Doch wo informieren? Und woher weiß man, welche Art der Pflege und Betreuung die richtige für den bedürftigen Menschen ist?

 
 
 
Ruth R. pflegt ihre Mutter. Quelle: ZDF
ZDF
Ruth R. möchte ihre Mutter nicht in ein Heim geben.

"Mein ganzes Leben orientiert sich eigentlich an der Pflege meiner Mutter. Ich finde kaum Lücken für mich selber und für meine Familie", sagt Ruth R., die sich seit vier Jahren um ihre demenzkranke Mutter kümmert. Die 80-Jährige lebt noch in ihrer eigenen Wohnung und wird dort rund um die Uhr betreut. Seit einiger Zeit verlässt sie das Bett nicht mehr.

Trotz der Unterstützung von Verwandten und vom Pflegedienst kommt Ruth R. immer wieder an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Dennoch die Mutter in ein Heim zu geben, kommt für sie nicht in Frage: "Ich glaube, es würde mir das Herz brechen. Sie war schließlich auch ihr ganzes Leben für die Familie da."

 

Politik kann die heimische Pflege stärken

Viele der heute 40- bis 60-Jährigen sind plötzlich mit der Hilfsbedürftigkeit ihrer Eltern konfrontiert und der Frage, wie eine angemessene Altenpflege finden. Meist ist es dann das erste Mal, dass Kinder Verantwortung für Mutter oder Vater übernehmen müssen - und oft selbst zu PflegerInnen werden. Denn in den meisten Fällen bleiben die zu Betreuenden zunächst einmal in ihren eigenen vier Wänden oder bei Verwandten. 85 Prozent werden von ihren nächsten Angehörigen versorgt. Pflegebedürftigkeit bedeutet somit nicht zwangsläufig Pflegeheim. "Ambulant vor stationär" lautet die Devise auch von politischer Seite.

Gehhilfe in einem Pflegeheim. Quelle: imago
imago
Die wenigsten entscheiden sich für ein Pflegeheim.

Für eine Seniorenpolitik, die dem demografischen Wandel Rechnung trägt, entschied man sich im Landkreis Siegen-Wittgenstein und gründete die Zukunftsinitiative 2020 "Leben und Wohnen im Alter". Anlass war eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2003, demnach wollen 90 Prozent der älteren Menschen so lange es geht in den eigenen vier Wänden bleiben. Mit dem Projekt möchte der Landkreis nun, gezielte Angebote fördern, die diesem Wunsch gerecht werden. So wurden in allen Gemeinden "Senioren-Service-Stellen" eingerichtet, die ältere Menschen darüber informieren, wo sie welche Unterstützung bekommen. Alle über 75 werden bei einem "präventiven Hausbesuch" beraten. Zudem versucht man Hilfe innerhalb der Familien und von Ehrenamtlichen zu unterstützen.

Infobox

Gast im Studio

Ein Gespräch mit Reiner Jakobs , Projektleiter der Zukunftsinitiative: "Leben und Wohnen im Alter" in Siegen- Wittgenstein

Unterstützung bei Überforderung

Wer sich entscheidet, seine Eltern selbst zu pflegen, der wird zunächst mal mit einer neuen Rolle konfrontiert: Die pflegebedürftigen Eltern werden allmählich von den eigenen Kindern abhängig. Eine Rollenverschiebung, die psychisch sehr belastend sein kann. Zudem können alte Konflikte wieder aufbrechen. Das erhöht die Gefahr, dass der Pflegende überfordert ist und ausbrennt. Zu den typischen körperlichen Anzeichen zählen Erschöpfung, Magen- und Herzbeschwerden. Hinzu kommen Schuldgefühle, Ängste, Isolation oder Hilflosigkeit. Dabei entlädt sich die Überforderung nicht selten in aggressivem Verhalten.

Junge Hand auf einer greisen Hand. Quelle: imago
imago
Wo die Eltern in guten Händen sind.

Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig um Unterstützung zu kümmern. Hilfe kann etwa von anderen Familienmitgliedern, Nachbarn, ehrenamtlichen Helfern oder ambulanten Pflegediensten kommen. Die Beratungseinrichtungen findet man über die Kommunen oder Wohlfahrtsverbände. Über mögliche Zuschüsse und Hilfsmittel informiert die Pflegekasse, die bei der Krankenkasse angesiedelt ist. Dabei ist es wichtig, die Eltern aktiv mit ins Gespräch und die Entscheidungen einzubinden - Hilfe sollte nicht übergestülpt werden. Kleinere Schritte der Unterstützung sind sinnvoller, um auch ein Zuviel an Hilfe auszuschließen.

 

Neue Wohnformen im Alter

Um die richtigen Weichenstellungen zu finden, ist es zunächst einmal hilfreich, sich einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen. Eine ungeheure Fülle an Informationen bietet dabei das Internet. Ein umfangreiches Angebot an Pflegeeinrichtungen mit Ranking bietet das Heimverzeichnis.(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) Wenn die Pflege zu Hause noch zu bewerkstelligen ist, ist es ratsam, auch an die altersgerechte Anpassung des vertrauten Wohnraumes zu denken. Anregungen bietet dazu die Website Wohnungsanpassung.de(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster)

Pflegedienste. Quelle: phalanx
phalanx
Großes Angebot: Pflegedienste

Ambulante Pflegedienste zählen zu den wichtigsten Helfern, die Unterstützung im Haushalt, bei der Körperpflege und der Essenszubereitung bieten. Neben den Alten- und Pflegeheimen gibt es zudem neuere Formen der Betreuung und Pflege. Mögliche Alternativen sind Wohngemeinschaften, die entweder privat organisiert oder in Trägerschaft von Sozialeinrichtungen geführt werden. Auch betreute Wohngruppen bieten enge soziale Kontakte und die Möglichkeit den Wohnraum selbst zu gestalten. Weiterführende Informationen hierzu gibt es auf der Homepage des Forums Gemeinschaftliches Wohnen e.V.(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster)

 

Vorsorge für den Ernstfall

Nicht zu vergessen ist die persönliche und selbstbestimmte Vorsorge für den Ernstfall. Dazu gehören Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung für den Fall, dass man selbst nicht mehr in der Lage ist, seine Angelegenheiten zu regeln. Broschüren zu diesem Thema und Muster zum Downloaden stellt das Bundesministerium der Justiz(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) zur Verfügung.

 
 
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