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10. Februar 2012
 

sonntags

 
sonntags, 9.02 Uhr
Märklindampflok. Quelle: ZDF
Im Modell fahren Dampfloks durchs 60er-Jahre-Ruhrgebiet.

Mit der Dampflok durch Pottgeschichte

Das Ruhrgebiet der 60er Jahre als Modell

von Jan Frerichs

2010 wird das Ruhrgebiet als Metropole Ruhr Kulturhauptstadt Europas sein. In der Region zwischen Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe hofft man, das alte Schmuddelimage vom "Kohlenpott" damit endgültig loszuwerden. Die Modellbahnwelt Oberhausen zeigt, dass das Ruhrgebiet schon früher mehr war als Kohle und Stahl.

 
 
 
 Quelle: ZDF
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Gasometer in Oberhausen

Von der Eisenhütte, die jahrzehntelang das Leben und das Stadtbild in Oberhausen geprägt hat, ist nur noch der Gasometer übrig, ein 117 Meter hoher Zylinder, in dem bis 1988 Gas für die Eisenproduktion aufbewahrt wurde. Beim Abriss der Hochofenanlagen in den 90er Jahren ließen die Oberhausener den Gasometer stehen - er ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden und heute Ausstellungsfläche und Aussichtsturm. Von der Aussichtsplattform lässt sich die Veränderung am besten sehen: Wo heute das Einkaufszentrum Centro und ein Vergnügungspark stehen, wurden früher Eisen und Stahl hergestellt.

 

Ruhrpott im H0-Format

Die Entwicklung von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft will die Ausstellung dokumentieren, die seit August 2008 ebenfalls auf dem Gelände des Centro ihren Standort hat: In der Modellbahnwelt Oberhausen findet sich auf 420 Quadratmetern ein Modell des Ruhrgebiets der 60er Jahre.

 
HOAG Oberhausen. Quelle: ZDF
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Modell der HOAG in Oberhausen und echte Rauchschwaden

Die Zeche Zollverein in Essen oder das Hafenamt Dortmund sind hier auf der Basis historischer Fotos und Originalpläne originalgetreu mit modernster Lasertechnik nachgebaut. Im Schatten des Modellgasometers, das einen knappen Meter hoch ist, finden sich auch die Altstadt von Oberhausen mit der Herz-Jesu-Kirche und die HOAG, die Hüttenwerke Oberhausen AG auf dem heutigen Centrogelände. Statt Riesenrad und Shoppingcenter qualmenende Schlote und lodernde Hochöfen in Miniaturform, im Modell läuten sogar die Kirchenglocken und es wird alle 45 Minuten Nacht.

Georg Rinneberg, Modellbahnwelt Oberhausen. Quelle: ZDF
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Georg Rinneberg, Initiator der Modellbahnwelt Oberhausen

Eisenbahn spielte zentrale Rolle

"Kaum eine andere Region in Deutschland hat so einen grundlegenden strukturellen Wandel erfahren wie das Ruhrgebiet und dem wollten wir Rechnung tragen und ein Denkmal setzen, sowohl der Industrie, aber auch den Menschen", sagt Georg Rinneberg, der Initiator der Modellbahnwelt und passionierter Modelleisenbahner. Züge spielen deshalb auch eine zentrale Rolle im Mini-Ruhrpott: Knapp 5 Kilometer Modelleisenbahnschienen haben Rinneberg und seine Mitarbeiter nach alten Gleisplänen verlegt. Einige hundert Züge fahren durch Duisburg, Essen, Bochum oder Dortmund, vorbei an Zechensiedlungen, Industrieanlagen und Schlackehalden.

Bereits 1840 nahm die erste Dampflokomotive im Ruhrgebiet die Fahrt auf. Es war die Hochzeit der Industrialisierung. Seit Ende des 18. Jahrhunderts waren überall in der Region fast 300 Eisenhütten entstanden. In Kokereien wurde aus der Kohle Koks gewonnen, das die Hochöfen heizte, in denen Roheisen und Stahl hergestellt wurden. Die Eisenbahn wurde das wichtigste Transportmittel im Ruhrgebiet für Kohle, Stahl und natürlich auch für Menschen, denn die Region entwickelte sich zum größten Ballungsraum Deutschlands.

Grün an der Ruhr. Quelle: ZDF
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Nachgebautes Grün bei der Villa Hügel

Das Ruhrgebiet: Überraschend grün

In den 60er Jahren gehörten Dampfloks noch zum Alltag und für viele war schon damals eine Reise durch das Ruhrgebiet mit einer Überraschung verbunden: Die Region zwischen Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe ist nicht nur grau und staubig, sondern auch unerwartet grün, wie zum Beispiel rund um die Villa Hügel in Essen, wo es teilweise noch heute so grün ist wie zu Zeiten vor der Industrialisierung als es im Ruhrgebiet noch aussah wie im Münsterland und am Niederrhein.

Allerdings haben die meisten Menschen ihr Leben weniger im Grünen als in den typischen Zechensiedlungen verbracht, und hier hat der Strukturwandel auch Narben hinterlassen: Mit dem Ende von Kohle und Stahl gingen 200.000 Arbeitsplätze verloren. Viele Städte sind heute arm und hoch verschuldet. Im zweiten Teil der Ausstellung, die zurzeit gebaut wird, soll die Gegenwart die Hauptrolle spielen: Zum Vergleich entsteht auf weiteren 420 Quadratmetern das heutige Ruhrgebiet.

 
 
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