In dieser Woche hat eine Studie des Berlin-Institutes herausgefunden: Türkische und türkischstämmige Einwanderer sind in Deutschland am schlechtesten integriert. Das Ergebnis entspricht einem Negativ-Bild, das zugewanderten Jugendlichen schon länger anhaftet. Dabei wird häufig übersehen, dass unsere Gesellschaft auf die Zuwanderer angewiesen ist und diese zugewanderten Talente braucht. Vielfach ist die Integration gelungen - die integrierten Menschen fallen aber nicht auf. Ihre Integrationsleistung gilt als selbstverständlich.
Die einzige Chance für Kinder und Jugendlich aus Einwandererfamilien ist die Bildung. Seit sechs Jahren unterstützt das START-Stipendienprogramm die Integration begabter Migranten.

Wie bei Stipendien üblich, fordert auch die START-Stiftung viel Einsatz von den Stipendiaten: Die Einwandererkinder der Jahrgangsstufen 8 bis 13 müssen gute schulische Leistungen vorweisen, sich in irgendeiner Form auch neben der Schule gesellschaftlich engagieren und darüberhinaus noch ein "bemerkenswertes Persönlichkeitspotenzial" besitzen. Das Ziel der Stiftung ist es, den Stipendiaten Wege in berufliche Leitungsfunktionen zu eröffnen und so für die Gesellschaft das interkulturelle Potenzial nutzbar zu machen.
Die Stiftung unterstützt die Jugendlichen mit einem monatlichen Bildungsgeld, einem Computer mit Internetanschluss, Bildungsseminaren oder Ferienakademien. Im laufenden Schuljahr kommen immerhin 570 Stipendiaten aus über 65 Herkunftsländern in den Genuss der Förderung.
An der Hauptwache 11
60313 Frankfurt
Das Stipendium der START-Stiftung(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster)
Die von START geförderten Jugendlichen engagieren sich stärker als ihre Klassenkameraden. Zum Beispiel Nuray Karaca: Die Tochter türkischer Einwanderer ist die Schulsprecherin ihrer Schule, sitzt im Vorstand des Stadtschülerrates und hat "crossing the bridge" gegründet.

Eine Initiative, in der sich Schülerinnen der Oberstufe als Paten um frisch an die Schule gekommene Fünftklässerinnen aus Einwandererfamilien kümmern: Es gibt Nachhilfe bei den Hausaufgaben oder die Mädchen gehen ins Kino oder malen einfach zusammen. Ein Miteinander von jüngeren und älteren Mädchen aus ganz unterschiedlichen Nationen. Mit "crossing the bridge" gewann Nuray Karaca letztes Jahr den hessischen Integrationspreis.
Viel Einsatz, der nicht vom Elternhaus gefordert wurde, sondern allein dem Willen und Ehrgeiz von Nuray Karaca entspringt: Ihr Beispiel zeigt, dass es neben den schlecht integrierten Jugendlichen, die die Schlagzeilen und die politische Diskussion des Themas bestimmen, auch diejenigen gibt, die Großes für die Gesellschaft leisten. Mehr kann man von einer 18 Jahre alten Schülerin kaum erwarten.

Ruth-Esther Geiger
Ihr seid Deutschland, wir auch.
Junge Migranten erzählen
Suhrkamp
ISBN 978-3-518-46009-2
Wer sagt denn, dass Integration misslingen muss? 15 Porträts zeigen junge Menschen und ihre Familien-, Flucht und Verfolgungsgeschichte. Und sie zeigen, mit welcher Förderung sie welche Hindernisse überwunden haben um weit zu kommen. Alle Jugendlichen, die die Autorin getroffen hat, sind aktuelle oder ehemalige START-Stipendiaten