Die Gewalt gegen Polizisten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Inzwischen vergeht in Hamburg kaum ein Tag ohne zum Teil massive Attacke auf die Polizei. Ein Seelsorger steht den betroffenen Kollegen bei.

^Polizeieinsatz auf der Hamburger Reeperbahn morgens um Vier. Vor einer Disco gibt es eine Schlägerei. Mittendrin Kommissar Mark Manzel. Er hält einen jungen Mann am Boden fest, der zuvor wild um sich geschlagen hat. Viele Passanten beschimpfen die Beamten, weil sie deren Vorgehen als zu hart empfinden. Als die Schlägerei beendet ist, sind vier Polizisten leicht verletzt.
Nichts Ungewöhnliches für Komissar Manzel und seine uniformierten Kollegen. "Der Respekt uns gegenüber ist immer geringer geworden. Man muss sich teilweise Sachen anhören, die man sich selbst nie trauen würde, irgendjemand andern gegenüber zu äußern."
Solche Übergriffe tauchen dann als "Mordversuch", "schwere Straftat" oder "Attacke auf Leib und Leben" in den Polizeiberichten wieder auf. Polizeibeamter ist mittlerweile ein Beruf, den sich viele Anwärter völlig anders vorgestellt haben.

Frank Rutkowsky kennt die Arbeit der Streifenpolizisten aus eigener Anschauung. Der Hamburger Polizeiseelsorger besucht Dienststellen, begleitet die Beamten bei Großeinsätzen und berät sie bei Bedarf in Einzelgesprächen - wohl kaum einer kennt die Sorgen und Nöte der Hamburger Polizisten besser als er.
"Es hat mehr eine symbolische Funktion, dass ich da bin. Ich lauf dann einfach mit im Einsatz, ohne Uniform", sagt Frank Rutkowsky. Zusammen mit einem katholischen Kollegen kümmert sich der Protestant als hauptamtlicher Seelsorger um die mehr als 8.000 Polizisten in der Stadt. Bis zu zehn Gespräche mit Ratsuchenden führt Rutkowsky pro Woche. Kostenlos und streng vertraulich. Es geht um gewalttätige Einsätze oder um Ärger mit Kollegen, aber auch ganz private Probleme, wie Trennung oder Streit.
Beides hängt eng miteinander zusammen, denn ein Polizist, der schwere private Probleme hat, ist auch im Dienst nicht ganz auf der Höhe, das weiß Rutkowsky. "Das ist auch kritisch, weil es ein sehr verantwortungsvoller Beruf ist. Polizisten sind auch Waffenträger. Daher ist es so wichtig, dass sie zuverlässig sind."

Frank Rutkowsky ist zwar bei der Kirche angestellt, aber eine eigene Gemeinde hat er nicht. Dennoch predigt er alle paar Wochen von der Kanzel der Hamburger Jacobi-Kirche. In seiner Predigt tauchen Fragen wieder auf, die ihm als Polizeiseelsorger beschäftigen. Zum Beispiel: Muss man als Christ nicht ein radikaler Pazifist sein? Seine Antwort: "Gewalt ist wirklich nur eine Notlösung. Aber als solche eben manchmal unvermeidlich."
In ihrer Ausbildung begegnet jeder Hamburger Polizist dem Pastor. Neben der Frage, wie überbringe ich eine Todesnachricht, werden auch ethische Fragen des Berufs gemeinsam diskutiert. Wie verhalte ich mich in Extremsituationen? Wie verarbeite ich Gewalt, Tod und Leid? Fragen bei denen viele an ihre persönlichen Grenzen kommen. "Da gibt es so eine Art Abnutzung", meint Rutkowsky, "viele erleben das so, durch ihre Arbeit, die immer mit Negativem zu tun hat, mit Schmutz, Verwahrlosung und ganz banal mit schlechtem Benehmen."