Hauptnavigation:

Sie sind hier:

11. Februar 2012
 

sonntags

 
sonntags, 9.02 Uhr
Alois Glück. Quelle: ap
Der neue ZDK-Präsident: Alois Glück

Aktuell

Ende der Krise?

Katholische Laienvertretung wählt neuen Präsidenten

von Jan Frerichs

Alois Glück, ehemaliger bayerischer Landtagspräsident, ist das neue Gesicht der katholischen Laien in Deutschland. Er muss das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken aus der Krise führen: Denn obwohl die Bischöfe seiner Wahl zustimmten, ist der Riss nur notdürftig gekittet und der Konflikt schwelt weiter.

 
 
 
 

Alois Glück ist ein Präsident unter Bedingungen. Für seine Kandidatur lässt er alle Ämter bei Donum Vitae ruhen. Im Streit um den Verein, der die Schwangerenkonfliktberatung nach dem Ausstieg der Katholischen Kirche weiter führt, kristallisiert sich der Konflikt um das Zentralkomitee.

Deutsche Bischofskonferenz. Quelle: dpa
dpa
Deutsche Bischofskonferenz

Querelen im Vorfeld

Dieser Konflikt hat im vergangenen Mai seinen Höhepunkt erlebt, als ein Teil der Bischöfe den designierten Präsidentschaftskandidaten Heinz-Wilhelm Brockmann ablehnte. Die notwendige Zweidrittelmehrheit in der Bischofskonferenz kam nicht zustande, die Wahl wurde abgeblasen. Gründe für die Ablehnung wurden nie genannt, aber das Engagement Brockmanns bei Donum Vitae wird eine Rolle gespielt haben.

 

Dabei ist Donum Vitae gar keine Initiative des ZdK. Allerdings stellen sich ZdK-Mitglieder aus den katholischen Verbänden, den Diözesanräten und den Berufenen aus Politik und Gesellschaft demonstrativ hinter die Initiative, die Rom und einigen Bischöfen in Deutschland ein Dorn im Auge ist. Zu ihnen gehört auch Alois Glück. "Es ist mir unerklärlich, wie die Bischöfe Brockmann ablehnen können, aber Glück zustimmen", sagt Hubert Gindert, selbst ehemaliges ZdK-Mitglied und Gründer des Forums Deutscher Katholiken. Das Forum genießt als romtreue Alternative zum ZdK die Unterstützung erzkonservativer Bischöfe, unter ihnen Joachim Kardinal Meisner (Köln) und Gerhard Ludwig Müller (Regensburg). Gindert spricht aus, was wohl die meisten Konservativen denken: "Wenn das ZdK seiner ursprünglichen Aufgabe nicht nachkommt, dann muss es aufgelöst werden".

ZDK-Logo. Quelle: zdk
zdk
ZDK-Logo

Was ist die Aufgabe des ZdK?

Die Geschichte des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken reicht weit zurück in die Vergangenheit bis in die Bismarckzeit. Im Kulturkampf sollten die katholischen Laien die Anliegen der katholischen Kirche verteidigen. An diesen Ausgangspunkt wollen die konservativen Kritiker zurück. Äußerungen von ZdK-Mitgliedern und Verlautbarungen zu innerkirchlichen Themen wie der Zölibatsfrage, zur Predigt von Laien und zuletzt auch zur Frage nach der Judenmission gehören demnach nicht zu den Feldern, in denen das ZdK sich zu äußern hat: Nach innen romtreu, nach außen kampfbereit die katholische Lehre verteidigen, so wünschen sich das die Konservativen.

 

Im Fall der Schwangerenkonfliktberatung zeigt sich, dass das Problem gar nicht in der Theorie, sondern in der Praxis liegt: In der Sache stimmen die deutschen Bischöfe und das ZdK überein, indem sie Abtreibung grundsätzlich ablehnen. Die gesetzliche Regelung in Deutschland, nach der Abtreibung prinzipiell eine strafbare Handlung bleibt, aber in Ausnahmefällen straffrei bleibt - eben unter anderem wenn eine Konfliktberatung in Anspruch genommen wurde -, geht gerade auch auf die Lobbyarbeit engagierter Katholiken und somit das ZdK zurück. Die Entscheidung letztlich dem Gewissen der Betroffenen zu überlassen, ist allerdings eine Kompromisslösung, die der Vatikan bis heute nicht akzeptiert.

Hans Joachim Meyer. Quelle: dpa
dpa
Hans Joachim Meyer

Raus aus den Schutzräumen

"Für mich ist dieser nicht endende Streit mit seinen Verletzungen die bitterste Erinnerung an die vergangenen zwölf Jahre", blickt der scheidende ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer auf seine Amtszeit zurück. Der neue Präsident macht indes deutlich, dass er und mit ihm das ZdK bei seinen Positionen bleiben wird: "Ich sehe in unserer Kirche zu viel Ängstlichkeit gegenüber der modernen Welt, zu viel Abwehr, zu viel Tendenz, in den eigenen Schutzräumen zu bleiben", sagt Alois Glück und plädiert für mehr Offenheit. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, stellt sich in seinem Glückwunschschreiben demonstrativ hinter Glück und das ZdK. Es jetzt darum, gemeinsam "so gut wie möglich Lähmungen zu überwinden, die es in der jüngeren Vergangenheit bisweilen auch gegeben hat".

 

In seiner Rede vor den Delegierten verwies der neue Präsident Glück denn auch auf die Tagesordnung für die kommenden vier Jahre: Auf ihr stehen unter anderem die zukünftige Gestaltung des Sozialstaats angesichts wachsender Verteilungskonflikte, die demographische Entwicklung und die Generationengerechtigkeit, die Gestaltung eines würdigen Lebensendes. Glück macht deutlich, dass er sich nicht in erster Linie mit innerkirchlichem Streit befassen will, sondern darauf setzt, dass christliche Werte in gesellschaftlichen Fragen eine Stimme brauchen und auch eine Chance haben und er sendet damit das Signal: Die Krise des ZdK ist schmerzlich, aber überwindbar.

 
 
  • del.icio.us
  • digg
  • facebook
  • twitter
  • myspace
  • mrwong
  • webnews
  • yigg