Kein Zaubertrank, sondern Biomasse ist das Geheimnis des unbeugsamen Dorfes Jühnde. Fast alle Einwohner haben sich vom Stromnetz abgekoppelt. Seit 2005 ist das kleine Dorf im Norden Deutschlands autark: Es versorgt sich selber mit Strom und Wärme.

Energie entsteht in Jühnde umweltfreundlich aus nachwachsenden Rohstoffen. Herz und Lunge des Bioenergiedorfes sind eine Biogasanlage und ein Biomasse-Heizwerk. Ein Nahwärmenetz bringt die Energie zu den Häusern. Rund 70% aller Häuser des Dorfes machen mit.
Haus- und Hofbesitzer haben sich in einer Genossenschaft organisiert und verwalten sich selber. Die Landwirte bauen so genannte Energiepflanzen an: Sonnenblumen, Raps, Mais und Weizen. Diese Pflanzen sind schon im grünen Zustand verwertbar, sodass zwei Ernten im Jahr möglich sind.

Die Ernte und die Gülle des Viehs werden vergoren. Die Biomasse wird dann in die Biogasanlage eingespeist. Bakterien zersetzen den Brei und Methan entsteht - der Stoff, aus dem in Jühnde die Energie besteht.
Das Methan wird im Blockheizkraftwerk verbrannt und die Wärme fließt über unterirdische Leitungen in die Häuser. Im Winter sorgt zusätzlich ein Holzhackschnitzel-Heizwerk dafür, dass die unbeugsamen Bewohner nicht zittern müssen.

Dank Biomasse sparen die Jühnder Bürger kräftig. Einmalig zahlten sie 2.500 Euro pro Haushalt in die Genossenschaft ein. Bereits im ersten Jahr konnten mehr als 300.000 Liter Heizöl durch umweltfreundliche Wärme ersetzt werden.
Wer früher im Dorf mit Öl geheizt hat, spart heute etwa 1.000 Euro im Jahr. 142 Haushalte im Dorf machen mit. Sie alle sind über Rohre an die Wärmeversorgung angeschlossen worden. Die Strom- und Wärmeversorgung klappt prima. Kein Wunder, dass sich viele Menschen für das Bioenergiedorf interessieren.
Die Psychologin Dr. Swantje Eigner-Thiel arbeitet vor allem zu den Themen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten. Sie hat das Bioenergiedorf Jühnde wissenschaftlich begleitet und dokumentiert vor allem die Motivationen und die Veränderungen der Dorfbewohner.
August Brandenburg war lange Bürgermeister des Ortes. Er kann die neugierigen Besucher aus aller Welt mittlerweile auf Japanisch, Koreanisch und Russisch begrüßen. Damals, als das Dorf anfing sich selber zu versorgen, erzählt August Brandenburg, habe das Heizöl noch 30 Cent gekostet, heute sind es 95 Cent. Man habe also zum richtigen Zeitpunkt das Thema angefasst.

Und noch einen Vorteil hat das Bioenergiekonzept des Dorfes. Wenn das Dorf mehr Energie erzeugt, als es verbraucht, wird der überflüssige Strom in das Netz gespeist. Das Dorf bekommt dafür Geld. Bauer Reinhard von Werder freut sich, denn er ist weniger abhängig vom Weltmarkt und als Miteigentümer der Bioanlage bekommt er eine Dividende, die jährlich ausgeschüttet wird.
Jühnde macht Gewinn und die Bürger profitieren davon. Jühnde zeigt einen anderen Weg zur Enerieversorgung und auch Selbstverwaltung. Einen Weg, den auch andere Gemeinden weltweit gerne gehen wollen.
Das Interdisziplinäre Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen hat mit IWF Wissen und Medien gGmbH Göttingen das "Bioenergiedorf Jühnde" dokumentiert. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert. Durch die Nutzung regional verfügbarer Energieträger sollen Gelder nicht an Stromkonzerne gehen, sondern in der Region bleiben und zur Erhaltung von Arbeitsplätzen vor allem in der Land- und Forstwirtschaft beitragen.
Mehr Information bietet der "Leitfaden: Wege zum Bioenergiedorf". Er ist erhältlich bei: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) Hofplatz 1, 18267 Gülzow
Das ZDF ist für den Inhalt externer Webseiten nicht verantwortlich