Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass die irakischen Christen ausgerechnet seit der amerikanischen Besatzung massenhaft aus ihrem Land flüchten. Als Minderheit stehen sie unter dem absurden und falschen islamistischen Generalverdacht, an der Seite der sogenannten "Kreuzfahrer und Juden" zu stehen.
Der Sturz des irakischen Diktators brachte den Irakern weder Frieden noch Demokratie. Ganz im Gegenteil: Der Irak erlebt seither eine der blutigsten Phasen seiner Geschichte. Tagtäglich tobt ein unberechenbarer Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten, Djihadisten und Amerikanern.
Über die Jahrhunderte kamen und gingen tyrannische Herrscher im Irak. Die Christen blieben trotzdem in ihrer Urheimat. Und sie bewahrten ihre Religion und Kultur. Mehr noch: Die irakischen Christen spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der islamischen Kultur im Mittelalter und beim Aufbau des modernen Iraks.

Obwohl die irakischen Christen, die eine Minderheit im Lande bilden, weder über Milizen noch über heilige Krieger verfügen, werden sie von allen Konfliktparteien verfolgt und bedrängt. Sie stehen unter dem Verdacht, an der Seite der amerikanischen Besatzer zu stehen. Diese Behauptung ist falsch und absurd, denn unter den proamerikanischen Gegnern des Saddam-Regimes gab es im Irak keine einzige christliche Partei. Die Verbündeten der Amerikaner rekrutierten sich aus schiitischen, sunnitischen und kurdischen Parteien.
Die Übergriffe der islamistischen Gruppierungen reichen von Angriffen gegen Weingeschäfte und Kirchen bis zur Ermordung von Geistlichen. Sie hatten im vorigen März mit der Ermordung des chaldäischen Erzbischofs Faradsch Rahho einen traurigen Höhepunkt. Es hat sich eine unheilige Allianz von islamischen Fanatikern und Kriminellen gegen die Christen gebildet. Die einen wollen ihre Seele zerstören, die anderen ihr Hab und Gut rauben.

Der vor einem Jahr nach Deutschland geflüchtete chaldäische Priester Cesar Magid schildert die Situation der Christen im Irak wie folgt: "Das Leiden der Christen begann hauptsächlich nach dem Sturz des alten Regimes. In der Folge kamen Terror und die bewaffneten Gruppen auf. Hinzu kamen konfessionelle Konflikte und der Ausbruch des Bürgerkriegs in den von uns bewohnten Regionen. Zunächst wurden die Christen genötigt, ihre Religion aufzugeben und ein Bekenntnis zum Islam abzulegen. Schließlich wurden sie gezwungen, entweder ihre Heimat nur mit dem, was sie auf dem Leib trugen, zu verlassen oder getötet zu werden."
Bis jetzt flüchteten etwa 400.000 Christen aus dem Irak, hauptsächlich nach Syrien, Jordanien und Libanon, aber auch nach Deutschland. Für die irakischen Christen hierzulande beendet die Flucht aus ihrer Heimat nicht ihr Leiden. Sie fühlen sich zwischen Deutschland und Irak hin und her gerissen. Sie haben keine Möglichkeiten, ihren bedrohten Angehörigen im Irak zu helfen und bei sich aufzunehmen. Außerdem verfügen sie über keinen gesicherten Aufenthaltsstatus. Der Vorstoß des Bundesinnenministers, irakische Christen in Deutschland aufzunehmen, blieb bisher ohne praktische Folgen. Erst vor kurzem wurden irakische und christliche Flüchtlinge abgeschoben.
Egal wohin die irakischen Christen flüchten - dem Zweistromland droht das Versiegen einer seiner geistigen Hauptquellen und dem Islam der Sieg der Fanatiker und Extremisten. Keine schönen Aussichten.
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